Bewährung für Lippetaler Ehepaar möglich
Im Prozess wegen Drogenhandels vor dem Landgericht Arnsberg scheint es möglich, dass ein mitangeklagtes Ehepaar aus Lippetal eine Bewährungsstrafe bekommen könnte. Für den Hauptangeklagten sieht es nicht danach aus.

Allerdings wurde auch deutlich, dass für das Lippetaler Ehepaar eine Bewährungsstraße im Bereich des Möglichen ist - für den Hauptangeklagten jedoch nicht.

Telefonüberwachung: Gespräche schwer nachvollziehbar

Im Wesentlichen stand die Auswertung etlicher Anrufe, die im Rahmen der Telekommunikationsüberwachung aufgezeichnet worden waren, auf der Agenda – zum Teil unter Einbeziehung eines Dolmetschers. Es ging um Gespräche zwischen den Angeklagten untereinander oder mit identifizierten oder auch unbekannten Abnehmern, Anweisungen, wer wann wo an wen oder bei wem und zu welchem Preis Lieferungen abzugeben oder abzuholen habe. Die dahin genuschelten Gespräche waren für externe Ohrenzeugen auch diesmal wieder nur schwer nachvollziehbar. Es grenzt an ein Wunder, dass sich die Gesprächspartner überhaupt gegenseitig verstanden.

Den Juristen liegen immerhin Abschriften vor. Die Telefonate belegten jedoch auch die eigene Abhängigkeit der Beteiligten. Etwa, wenn der Drogenhändler einer Bestellung kaum nachkommen konnte, weil er die aktuellen Restbestände zum Eigenkonsum benötigte. „Wir haben weit mehr als die Hälfte geschafft“, versuchte der Vorsitzende Richter zwar die Anwesenden nach rund 90 Minuten zu beschwichtigen, erntete dafür aber von einigen Verteidigern nur ein Aufstöhnen und die Bitte um eine kurze Sanitär-Pause.

Hauptangeklagter in Entziehungsanstalt?

Dem Termin vor der Großen Strafkammer war ein Rechtsgespräch vorausgegangen. Darin hatten sich die Juristen darüber ausgetauscht, inwieweit Bewährungsstrafen überhaupt in Frage kommen. Dabei klafften die Ansichten weit auseinander. Während die Verteidiger nach Argumenten suchten, die ihre Mandanten vor einer Inhaftierung bewahren könnten, sahen die Richter und die Staatsanwaltschaft aktuell dazu nur bei dem Lippetaler Ehepaar Spielraum, dem wohl lediglich eine minderschwere Tatbeteiligung anzulasten sei. Bei den übrigen Angeklagten entsprächen dazu die bisherigen Einlassungen noch zu wenig den Ergebnissen der Ermittlungen. Anders formuliert: Sie zeigten sich noch nicht hinreichend geständig. Im Falle des selber schwer drogenabhängigen Hauptangeklagten komme jedoch eine Unterbringung in einer Entziehungsanstalt in Betracht.

Verhandlung geht weiter am 3. Juli

Der Prozess wird fortgesetzt am Freitag, 3. Juli. Dabei handelt es sich jedoch nur um einen einstündigen Sprungtermin, der dazu dient, eine fristgerechte Fortsetzung der Verhandlung zu gewährleisten. Voraussichtlich letzter Prozesstag ist der 24. Juli.

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