Der Wald dürstet nach Regen
Förster Christoph Hentschel zeigt im Eichenwald von Gut Assen auf abgebrochene Äste in den Baumkronen.

Nach dem Windwurf durch den Sturm Friederike hat ein weniger stürmisches Ereignis die Schäden noch dramatisch verschlimmert. Die Trockenheit in diesem Sommer hat die hohen Äste der mächtigen Baumriesen brüchig gemacht. Da die Elastizität fehlt, brechen selbst kräftige Äste wie von selbst. Christoph Hentschel sieht schon von weitem an den belaubten Ästen auf dem Waldboden, wo wieder eine Eiche „geworfen“ hat.

Schlecht begonnen hatte das Jahr für die Waldbesitzer bereits im Januar, als Sturm Friederike übers Land fegte und starke Verwüstungen hinterließ. „Wir waren gerade auf der Zielgeraden, was die Erfassung und Bearbeitung der Sturmschäden angeht, als die Trockenheit im August und September verheerende neue Schäden verursachte“, erinnert sich Hentschel.

Neben den Eichen, die allein durch das fehlende Regenwasser beeinträchtigt wurden, hat es auch die Fichtenbestände hart getroffen. Geschwächt durch die Sturmschäden, die das feine Wurzelwerk beschädigten, und durch die enorme Trockenheit hatte der Borkenkäfer leichtes Spiel, zumal er sich durch den sturmbedingten Holzbruch im Januar wohl auch stärker als sonst vermehren konnte. „Gesunde Bäume, die genügend Feuchtigkeit bekommen, können den Borkenkäfer durch das Baumharz bekämpfen, das die Bäume in die Bohrlöcher pumpen“, erklärt der Waldexperte.

Trockene Bäume hingegen könnten zu wenig Harz ausbilden und hätten daher keine Möglichkeiten, den tödlichen Eindringling zu behindern. 1700 Hektar groß sind die Waldgebiete, die Christoph Hentschel in Lippetal und Bad Sassendorf forstwirtschaftlich betreut. Die häufigsten Bäume dort sind Eichen, Fichten und Pappeln.

Die Waldschäden treffen die Waldbesitzer erheblich. „Enorme Werte werden da vernichtet“, rechnet Hentschel. Immerhin kann er das Eichenholz den Sägewerken noch zu einem akzeptablen Preis verkaufen, bei der Fichte sieht das anders aus. Durch Windbruch in Südtirol (17 Millionen Kubikmeter Holz) und Borkenkäfer-Schäden in Tschechien, Österreich, Frankreich, der Schweiz und Belgien drücken enorme Mengen von Fichtenholz auf dem Markt die Preise. „Nach dem Sturm Kyrill im Januar 2007 war der Sommer danach sehr nass“, erinnert sich Hentschel an die Unterschiede zu diesem Jahr, das seit langem zu dem trockensten überhaupt gehört.

Und es folgt auf das ebenfalls recht trockene Jahr 2017, dessen Herbst und Winter allerdings starke Niederschläge brachten. Sollte das in diesem Winter nicht genau so sein, sind die Perspektiven für den heimischen Wald für die Jahre 2019 und folgende alles andere als rosig.

SOCIAL BOOKMARKS