Essen in Dosen statt Dreigängemenü
Am Eingang zum Saal haben Susanne und Andreas Stratbücker ihr neues „Dosengold“ aufgebaut und verkaufen Hausgemachtes wie Rinderwurst, Gulasch, Suppen und Eintöpfe.

Und das wenige Wochen vor der Zeit der Kommunionen und Konfirmationen. Für die vielen Gesellschaften hatten Stratbückers schon Vorräte an haltbaren Zutaten angelegt.

 Angesichts der fatalen Lage kam es dem Gastwirte-Ehepaar wieder in den Sinn, dass Andreas Stratbücker schon früher einmal erwogen hatte, seine Speisen auch in Dosen abzufüllen und im Hausverkauf zu vermarkten. Ehefrau Susanne sah ebenfalls die Chance, auf diese Weise das Fleisch des Bullen noch zu nutzen und den Geschäftsrückgang auf Null zu vermeiden.

Die Idee wurde zügig umgesetzt und umgehend in eine Dosenmaschine für rund 2000 Euro investiert. Dann begann für die Familienmitglieder und eine Auszubildende – alle anderen Mitarbeiter sind in Kurzarbeit – das große Kochen. Die Pfannen brutzelten und die Kochtöpfe dampften. So wurden nach Rezepten, die auch fürs Restaurant gekocht werden, dutzende verschiedener Gerichte hergestellt, die sich für das Abfüllen in Dosen eignen. Gulasch, Zwiebelfleisch oder Rouladen, Königsberger Klopse, Hühnerfrikassee, Kartoffelsuppe, Bolognesesoße oder Gemüseeintopf sind da passend, während ein Schnitzel weder in die Dose reinpasst noch überhaupt geeignet ist, weil es ja knusprig beim Verzehr sein soll.

Kaum hatten Stratbückers die Speisen bei 100 Grad sterilisiert und die neue Geschäftsidee bekannt gemacht, da rollten auch schon dutzende Dosen über die Ladentheke, die hinter dem großen Eingang zum Saal aufgebaut worden war. Weit mehr als zehn Gerichte stapelten sich dort und waren ratzfatz ausverkauft.

„Bis zu 400 haben wir anfangs an den Mann gebracht“, freut sich Susanne Stratbücker über den Erfolg der Aktion, die wenigstens einen Teil der Umsätze einbringt, aber auch verhindert hat, dass wertvolle Lebensmittel verfallen würden. Inzwischen hat sich der Verkauf eines guten Tageskontingentes eingepegelt. „Unsere Gäste und neue Kunden sind sehr zufrieden. Für viele bedeutet es, dass sie nicht jeden Tag einkaufen müssen. Außerdem sagen sie, dass unser Essen viel besser schmeckt, als industriell produzierte Dosenware. Daher werden wir einige Dosengerichte in einem reduzierten Sortiment auch noch dann anbieten, wenn das Restaurant wieder geöffnet ist.“

Verkauf: dienstags bis samstags von 9 bis 13 Uhr an der Diestedder Straße 7 in Herzfeld (02923/9729101).

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