Heilendes Wasser aus Lippetaler Quelle
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Wilhelm M. Schneider, ehemals Stellvertretender Kreisarchivar von Warendorf, referierte über die verschiedenen Wallfahrts- und Pilgerstätten.
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Tatsächlich gehörte das Wallfahren und Pilgern seit dem frühen Mittelalter zum Leben der Menschen in den Dörfern, die heute die Gemeinde Lippetal bilden. In Herzfeld wurde schon frühzeitig die Grablege der Heiligen Ida aufgesucht.

In Lippborg soll der Überlieferung nach Bischof Ludgerus mit dem Wasser einer Quelle getauft haben, dem eine heilende Kraft zugeschrieben wurde. An Krankheiten leidende Kinder und Jugendliche wurden dorthin geführt, um durch das Wasser geheilt zu werden. Im Lippborger Pfarrarchiv sind 57 Heilungen notiert. Insbesondere Augenkrankheiten sollen sich nach Waschungen mit dem Wasser gebessert haben.

In der Zeit der Reformation und des Dreißigjährigen Kriegs kam die Ludgerus-Verehrung und damit auch die Wallfahrt zum Ludgerus-Brunnen in Lippborg zum Erliegen. Heinrich von Galen ließ später eine Fachwerk-Kapelle über dem Brunnen errichten, die 1799 baufällig geworden war. 1844 ließ Graf Johannes Matthias von Galen die heute noch bestehende Kapelle errichten und den Brunnen neu fassen, so dass die Bevölkerung dort wieder das heilende Wasser fördern konnte.

Viele Orte in der Umgebung von Herzfeld und Lippborg hatten Gnadenbilder oder Kreuze, zu denen Wallfahrten führten. Liesborn, Stromberg, Soest, Warendorf, Beckum, Eggerode, Telgte und Werl sind heute noch Ziel von Wallfahrten. Pilgerwege führen immer noch nach Lourdes in Südfrankreich, nach Santiago di Compostela in Nordspanien und in die italienische Hauptstadt Rom.

Die Jakobsmuschel war und ist das Zeichen, das nicht nur Pilger im Mittelalter kenntlich machte, sondern bis heute die Wege nach Santiago di Compostela bezeichnet. Wilhelm M. Schneider, ehemals Stellvertretender Kreisarchivar von Warendorf, referierte über die verschiedenen Wallfahrts- und Pilgerstätten. Er wies auf die Votivgaben hin, die Pilger in den Kapellen angebracht haben: Kleine bunte Bilder, auf denen die dramatische Begebenheit geschildert ist, aus der ein Betroffener wunderbar gerettet wurde.

Kirchlich bestätigte Wunder wurden in Mirakelbüchern festgehalten. Es zeigte sich, dass darin auch Heilungsgeschichten von Menschen stehen, die früher in den Dörfern der Gemeinde Lippetal gelebt haben.

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