Integration erfolgt fast kinderleicht
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Zwei Mädchen melden sich im Unterricht. Wie auf dem Bild an einem Duisburger Gymnasium, läuft auch in Lippetal die Integration von Flüchtlingskindern innerhalb der Klassen gut.
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„Es funktioniert“, sagt Erich Zajac, der Leiter der Lippetalschule. 19 Schüler aus Krisengebieten wie Syrien besuchen quer durch alle Jahrgänge die weiterführende Schule. Von Beginn der größeren Flüchtlingszuwanderungen an hat man sich im Kollegium zwei Ziele gesetzt: Sozial integrieren, Sprache vermitteln.

Dazu werden Schüler zu bestimmen Zeiten aus ihren Klassenverbänden herausgenommen und erhalten einen reinen Deutschunterricht. „Die Erfolge sind da“, frohlockt Zajac. Nicht zuletzt deshalb, weil sich zwei Lehrerinnen extra für diese Aufgabe ausbilden ließen. Der Deutschunterricht läuft in zwei unterschiedlichen Leistungsstufen ab.

Die Erfolge sind belegbar: Mittlerweile hat ein Schüler die Klasse neun erfolgreich absolviert und damit den Hauptschulabschluss – inklusive Zehnerqualifikation – sicher in der Tasche. Eine andere Schülerin hat sogar bereits problemlos den Schritt in Richtung Oberstufe geschafft.

Viel Zeit nehmen sich Schulleitung und Kollegium gleich zu Beginn in einem Aufnahmegespräch. Mit diesen Eindrücken können die Schüler ziemlich sicher ihrem Leistungsniveau entsprechend der passenden Klasse zugeordnet werden. „Das ist zwar etwas aufwendig, aber wir müssen die Komplexität des Themas berücksichtigen“, sagt Zajac. Räumlich ist die Lippetalschule für diese Art der Differenzierung gut aufgestellt. Die Lehrkräfte seien allerdings an ihrer Kapazitätsgrenze angelangt, betont der Direktor.

Grundsätzlich fällt Jüngeren das Erlernen einer neuen Sprache noch leichter. So werden sowohl in Herzfeld als auch in Lippborg jeweils sechs Flüchtlingskinder erfolgreich unterrichtet. Auch dort wurden Lehrerinnen speziell auf ihre Aufgabe vorbereitet. Alle Flüchtlingskinder sind gut integriert, zum Teil sind unter den Schülern richtige Freundschaften entstanden. Die Lernfortschritte seien enorm, bestätigen die jeweiligen Schulleitungen.

„Wir kommen gut klar“, sagt Danielle Thomas (Ida-Grundschule). Die Kinder seien eine „echte Bereicherung“, ergänzt Susanne Kresing, Rektorin der Ludgerusschule.

Eine noch größere Integrationsleistung muss die Stephanus-Grundschule in Oestinghausen erbringen. Flüchtlinge machen dort zehn Prozent der Gesamtschülerzahl aus. Dennoch: Es läuft auch dort. „Die Erfolge sind verblüffend“, freut sich Schulleiter Ulrich Roggenkamp. Man sei durchaus in der Lage, weitere Flüchtlingskinder aufzunehmen.

Kein Licht ohne Schatten: Selbstverständlich gibt es hier und da auch Probleme. So wurde einem Grundschulkind während des Ramadans von den Eltern untersagt, trotz brütender Hitze zu trinken. Gespräche mit den Eltern haben dann aber schnell zu einer Lösung geführt.

Roggenkamp berichtet über den Fall eines Kindes, das zunächst nicht am Schwimmunterricht teilnehmen wollte. Die Fluchtgeschichte gibt Aufschlüsse: Die Familie war über die Mittelmeerroute nach Europa gekommen und zwischenzeitlich sogar gekentert. Doch selbst dieses traumatische Erlebnis haben die Pädagogen mit fachlicher Unterstützung in den Griff bekommen. „Wichtig ist immer die Kommunikation“, betont der Oestinghauser Schulleiter.

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