Jonas Hofmann besucht die „Lippefohlen“
Jonas Hofmann (rechts) schrieb bei seinem Besuch in Lippborg fleißig Autogramme. Er war der Ersatzmann für Nico Elvedi, der angekündigt war, aber nicht anreiste.

Erst verliert der Verein am Abend zuvor mit 0:3 gegen Wolfsburg, und dann läuft die Autogrammstunde nicht so wie geplant. Eigentlich sollen am Sonntagnachmittag zwei Spieler nach Lippborg kommen, beides Nationalspieler.

Angekündigt waren Nachwuchs-Torhüter Moritz Nicolas und Nico Elvedi. Der erste verletzte sich kurz zuvor – Verdacht auf Gehirnerschütterung. Warum Elvedi ausfiel, weiß niemand, aber als Ersatz kam Mittelfeldspieler Jonas Hofmann (26) vom Niederrhein angereist. Er ist im Gegensatz zu seinen beiden Teamkollegen zumindest noch kein Nationalspieler, aber mit Ambitionen und vom Fachmagazin „Kicker“ in der vergangenen Woche noch zu einem der „herausragenden und unverzichtbaren Spieler“ der Mannschaft gekürt worden.

Vor zwei Wochen hatte der heimische Fanclub „Lippefohlen“ eine E-Mail von der Borussia erhalten, dass Besuche ihrer Spieler verlost würden. Pressewart Hans-Albert Limbrock reagierte darauf, vor einer Woche kam die positive Antwort. Im Handumdrehen wurde der Termin im Gasthof Bockey anberaumt. Rund 40 Fans kamen am Sonntag im Saal zusammen – der Fanclub hat annähernd die dreifache Mitgliederzahl.

Der Karneval funkte dazwischen, einige brachen mit ihrem Nachwuchs schon nach Kurzem wieder auf Richtung Kindersitzung in Hu-Hei-Bü. Und während unter der Decke die Karnevalsgirlanden baumelten, rankten sich die grün-schwarzen der Fohlen auf den Tischen. Um 14 Uhr traf Hofmann ein, stellte sich den Fragen der Besucher und vor allem von Hans-Albert Limbrock, der sich perfekt vorbereitet hatte. Vorrangigste Frage vorweg: Wie kann es sein, dass der Verein nach drei Siegen zweimal in Folge verloren hat? Jonas Hofmann sagte: „In der Hinrunde hatten wir viel Glück, das hatten wir einfach diesmal nicht. Weder hinten noch vorne.“

Es gab viel Fachsimpelei. Wie Hofmann zum Videobeweis stehe, wie zur Elfmeter-Regelung bei Handspiel. Auch persönliche Fragen wurden gestellt. Wie er mit dem Druck umgehe? „Als junger Spieler habe ich mir psychologische Hilfe geholt, die ist zu Beginn wichtig. Heute weiß ich, man kann es nicht jedem Recht machen, damit kann ich leben. Aber gerade für einen jungen Spieler ist es wichtig, jemanden zu haben, der einem hilft, den Druck von den Schultern zu nehmen.“ Und wie gehe der Verein damit um, wenn ein Spieler mit einem goldenen Ferrari um die Ecke komme?, wollte ein Fan wissen. Da gebe es schon Zurechtweisungen, sagte Hofmann.

Ob er sich jetzt schon Gedanken mache über die Zeit nach dem Profifußball, wollte Limbrock noch wissen. Auch hier gab sich Hoffmann ganz bodenständig: „Ich bin dabei, mir etwas aufzubauen, ich habe bereits ein Subway-Restaurant eröffnet und werde in zwei Wochen das zweite in Neckarsulm eröffnen und 2020 das dritte in meiner Heimatstadt Heidelberg.“

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