Öko-Bauern-Genossenschaft wird 25
„Tu mal lieber die Möhrchen“: Bio-Gemüse ohne Ende wird in der Halle in Lippborg aufbereitet und für den Handel verpackt.

Jetzt feiert das Unternehmen seinen 25. Geburtstag. Gerade rechtzeitig dafür hat es sich vollständig von einem Rückschlag erholt.

Als die Genossenschaft im Jahr 1995 ihre Produktion aufnahm, hatten sich gerade einmal eine Hand voll Naturland-Bauern zusammengeschlossen, um ihre Bio-Produkte gemeinsam zu vermarkten. Eine kleine Halle, ein kleines Büro, das reichte damals aus, um vor allem Möhren und Kartoffeln auf den Markt zu bringen.

„Ab 2002 schossen die Mengen dann nach oben“, sagt Geschäftsführer Klaus Rauhaus. Große Discounter wie etwa Aldi hätten damals den Bio-Markt für sich entdeckt und immer mehr Produkte nachgefragt. Von diesem Zeitpunkt an öffnete sich die Genossenschaft auch anderen Bio-Marken wie Demeter oder Bioland, immer mehr Betriebe schlossen sich der „Genossenschaft der Öko-Bauern“ an.

Da am Standort in Lippborg die Kapazitäten nicht mehr bewältigt werden konnten, siedelte die Genossenschaft Betriebszweige aus, errichtete etwa Packstationen in Norddeutschland. Heute vermarktet das Unternehmen jedes Jahr rund 7000 Tonnen Möhren, 8000 Tonnen Kartoffeln, 3000 Tonnen Zwiebeln und weitere 4000 Tonnen anderer Gemüsesorten.

Die gut 100 Lieferanten sind zu 80 Prozent in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen zu Hause, der Rest verteilt sich auf das übrige Bundesgebiet, auf das europäische Ausland sowie Ägypten und Israel.

Die südlichen Lieferanten sind vor allem deshalb wichtig, weil der Handel ein ganzjähriges Sortiment verlangt. „Allerdings wird dieser Anteil immer geringer, weil die Produkte heute deutlich länger gelagert werden können“, weist Klaus Rauhaus auf eine Tendenz zu immer kürzeren Transportwegen hin.

Die Umsätze, die angeschlossenen Betriebe und auch die Zahl der Mitarbeiter haben sich nach einem Rückgang von gut einem Viertel in allen Bereichen seit dem Jahr 2016 wieder bis fast auf den vorherigen Stand entwickelt. Zuvor hatte es Unregelmäßigkeiten bei der Deklarierung von Möhren gegeben, in deren Folge einige Mitarbeiter sowie der Geschäftsführer das Unternehmen verließen.

Und auch die Genossenschaft geriet in Schieflage. Sie verlor Handelspartner, Umsatz und das Vertrauen vieler Landwirte. Mit Klaus Rauhaus übernahm ein Externer die Geschäfte im Jahr 2017.

Er führte neue Strukturen ein, hatte viele Gespräche mit Landwirten und dem Handel – und holte das Vertrauen in die Genossenschaft Schritt für Schritt zurück. „Wir sehen mit viel Optimismus in die Zukunft“, sagt Klaus Rauhaus. Der Bio-Trend sei schließlich ungebrochen.

Nun gehe es darum, sich in einem größer werdenden Markt zu behaupten. Immerhin gehöre man als Traditionsunternehmen zu einem der größten reinen Bio-Verpacker in Deutschland. Und auch das Genossenschaftswesen sieht Rauhaus als Vorteil.

Denn mit der nachhaltigen Arbeit der Mitglieder setze man auf ein nachhaltiges Geschäftsmodell, bei dem eine gute Vergütung der Landwirte im Zentrum stehe. Die Zentrale der Genossenschaft in Lippborg platzt inzwischen aus allen Nähten. In zwei Lagerhallen, den Kühlhäusern und dem Verwaltungstrakt wird jeder Quadratmeter ausgenutzt. Auch deshalb hat die Genossenschaft gleich nebenan Land gekauft, auf dem demnächst ein neues Kartoffellager entstehen soll.

„Ein klares Bekenntnis zum Standort Lippborg“, sagt Klaus Rauhaus. Dieses Bekenntnis findet auch Ausdruck im kleinen Laden mit dem Namen „Das Möhrchen“. Da dürfen Kunden dienstags und donnerstag von 10 bis 14 sowie freitags zwischen 10 und 15 Uhr die frischen Produkte direkt einkaufen. „Für uns ist das kein entscheidendes Standbein, dafür aber eine gute Gelegenheit, um mit den Kunden direkt ins Gespräch zu kommen“, sagt Rauhaus.

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