Radtour zu den jüdischen Gedenkstätten
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Eine weiße Rose liegt auf einem Gedenkstein bei einer Gedenkveranstaltung zur Erinnerung an die Opfer der Pogromnacht von 1938. Die jüdischen Gedenkstätten stehen am Denkmaltag in Lippetal im Mittelpunkt.
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Die Friedhöfe in Herzfeld, Hovestadt, Schoneberg und Oestinghausen sind stumme Zeugen für ein zu bestimmten Zeiten recht lebendiges jüdisches Leben in der Gemeinde. Das gilt insbesondere für Hovestadt. Gemäß der Internetseite jüdische-gemeinden.de siedelten sich erste jüdische Familien in Hovestadt und Herzfeld nachweislich um 1730 in Hovestadt und Herzfeld an. Damals habe die gräfliche Herrschaft von Plettenberg-Lenhausen knapp 30 Familien erlaubt, ansässig zu werden, um die Wirtschaftskraft des Herrschaftsgebiets zu stärken. Gegen Mitte des 19. Jahrhunderts betrug die Zahl der jüdischen Gemeindeangehörigen dank eines verstärkten Zuzugs demnach knapp 100 Personen.

Um 1860 machte der jüdische Bevölkerungsanteil damit immerhin fast 15 Prozent aus. Die gottesdienstlichen Zusammenkünfte erfolgten zunächst in einem Privathaus, in den 1760er Jahren erhielt die jüdische Gemeinde von den Grafen von Plettenberg dann die Erlaubnis, eine Synagoge einzurichten. Standort war zunächst ein Fachwerkhaus an der Nordwalder Straße. Mitte des 19. Jahrhunderts, als dieses Haus baufällig geworden war, erbauten die Hovestädter Juden an der Brückenstraße in Hovestadt gegenüber dem Schloss einen Neubau. Die Synagogengemeinde Hovestadt umfasste gemäß einem Statut von 1856 aus den jüdischen Bewohnern der Bürgermeisterei Oestinghausen und aus den Dörfern Dinker, Eilmsen, Herzfeld, Ostinghausen, Vellinghausen und Weslarn.

In den 1870er-Jahren löste sich die Kultusgemeinde allerdings auf, weil viele Mitglieder fortgezogen waren. Das seit der Zeit um 1900 nicht mehr genutzte Synagogengebäude wurde letztlich verkauft und 1934 abgerissen. Die wenigen in Hovestadt verbliebenen Juden richteten in der Folgezeit einen Betraum in einem Privathaus ein, sie gehörten als Untergemeinde nun zum Synagogenbezirk Soest. Zu Beginn der NS-Zeit lebten in Hovestadt nur noch zwei jüdische Familien; fünf Jahre später war es noch eine einzige Familie. Während der Novemberpogrome richteten Mitglieder der SA am 10. November 1938 schwere Zerstörungen an deren Wohnhaus an, die Familie zog daraufhin nach Soest um. Vermutlich wurde diese Familie im Juli 1942 zusammen mit den Soester Juden deportiert. Ähnlich erging es der Familie Neukircher, die in den 1930er-Jahren als einzige jüdische Familie noch in Oestinghausen lebte. Nach der Deportation 1942 kamen die Familienmitglieder nach Treblinka, wo sie ermordet wurden.

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