Strudelwurm belebt die Lippe
Sylvia Mählmann (rechts), Biologisch-technische Assistentin beim Lippeverband, kennt sich mit Dreiecksstrudelwürmern aus.

„In der Lippe in Lippborg lebt ein Bewohner, der nicht nur bei den Biologen des Lippeverbandes Begeisterung auslöst, sondern insbesondere Gen-Forscher in Verzückung versetzt“, schreibt der Verband. Der Dreiecksstrudelwurm sei ein zuverlässiges Indiz für gute Gewässerqualität und ein „Weltmeister der Regeneration“.

Die Tiere sind in der Lage, fehlendes Gewebe mithilfe von Stammzellen neu zu bilden. Bereits aus einem winzigen Stück Wurm kann sich ein komplett neues Tier regenerieren. Aufgrund dieser Eigenschaft hoffen Forscher, dass Dreiecksstrudelwürmer ihnen entscheidende Hinweise für Therapiemöglichkeiten bei verletzten Menschen liefern können.

Grund genug, so der Lippeverband, den Wurm zum Lippebewohner des Monats zu küren. „Bereits aus einem zweihundertfünfzigten Teil des Wurms kann sich innerhalb von zwei bis drei Wochen ein kompletter Klon des Tieres bilden“, berichtet die Biologisch-technische Assistentin Sylvia Mählmann vom Lippeverband. „Manchmal geht dabei aber auch etwas schief. Dann gibt es statt zwei Augen drei oder vier, die allerdings meist ohne Funktion sind.“

Zudem können sich Strudelwürmer als Zwitter vermehren: Einer der Partner nimmt dann eine stark abgeplattete Körperform an, das zweite Tier kriecht zur Paarung auf seinen Rücken. Die Eier befestigen die Würmer, geschützt in einem kleinen Kokon, an Steinen oder Wasserpflanzen.

Der Dreiecksstrudelwurm gehört zur Klasse der Turbellaria. Der Name ist vom lateinischen Wort „turbo“ abgeleitet, welches übersetzt Wirbel heißt und auf die Fortbewegung der Strudelwürmer hinweist. Unter ihrem Körper befinden sich tausende Wimpernhärchen, mit denen sie gleichmäßig dahingleiten. Ihre Körper sind flach, und meist werden die dunkelbraunen bis schwärzlichen Würmer maximal 2,5 Zentimeter groß.

Typisch für den Dreiecksstrudelwurm ist sein pfeilförmiger, dreieckiger Kopf mit beweglichen „Öhrchen“. „Dort finden wir die Sinnesorgane für chemische Reize und die Wahrnehmung der Strömungsrichtung“, erklärt Sylvia Mählmann. Bis zum Einbruch der Dunkelheit findet man den Dreiecksstrudelwurm vorzugsweise unter Steinen, Ästen oder Schwimmblättern – gern in größeren Gruppen.

Strudelwürmer sind weit verbreitet und können im Meer, Süßwasser und an Land in Pfützen leben. Der Dreiecksstrudelwurm jedoch kommt in sauberen, relativ schnell fließenden Gewässern vor. Er benötigt einen hohen Sauerstoffgehalt, da er direkt über die Haut atmet. Gewässerverunreinigungen stressen den Wurm.

Als „Räuber“ ernährt er sich von Kleinkrebsen, Würmern und Insektenlarven. Er riecht seine Beute und hüllt sie mit Schleim ein. Auch er selbst hüllt sich in Schleim, der ihn vor Fressfeinden und bei kurzzeitigem Austrocknen des Gewässers schützt.

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