Tauben zerstören Grabbepflanzungen
Haben die Tauben-Plage auf dem Friedhof in Hovestädt satt: (v. l.) Bozena Truch, Mike Brieghel, Roland Becker, Iris Becker und Karl-Heinz Hokenbecker.

 „Die Tauben kommen jeden Tag rüber und zerlegen die Gräber. Wenn wir sie verscheuchen, dann kommen sie wenige Minuten später zurück.“ Der Ärger über die Zustände am und auf dem Friedhof ist Roland Becker deutlich anzuhören. Der Mann wohnt gleich neben dem Friedhof und beobachtet täglich, wie die Tiere von einem Nachbargrundstück aus herüberfliegen. „Das muss aufhören. Das muss geregelt werden“, macht auch Franz-Josef Hokenbecker als Friedhofs-Verwalter seinem Unmut Luft. Er berichtet von der Begegnung mit einer Witwe, die das verunstaltete Grab ihres Mannes entdeckt habe – und in Tränen ausgebrochen sei.

„Massive Schäden auf verschiedenen Grabstellen“

Anrufe beim Ordnungsamt hätten genauso wenig Abhilfe geschaffen wie ein Brief an den Taubenhalter. Darin habe er von den „massiven Schäden auf verschiedenen Grabstellen“ ebenso berichtet wie von den Rechnungen, die Nutzer nun dem Taubenhalter für die Neubepflanzungen stellen wollen. Ludger Schenkel als Leiter des Ordnungsamts weiß um die Problematik. „In Wohngebieten ist Tierhaltung grundsätzlich erlaubt, führt aber immer wieder zu Streitigkeiten zwischen Nachbarn“, sagt er. Der Ordnungsbehörde seien die Hände gebunden. Schenkel: „Wir können erst dann tätig werden, wenn eine konkrete Gefahr besteht.“ Vielmehr stehe in Fällen wie der Taubenplage am Friedhof das Zivile Recht offen. Im Klartext: Zuerst der Schiedsmann und dann das Gericht mit einer Klage auf Unterlassung.

Gemeinde behält sich rechtliche Schritte vor

Nach Informationen der „Glocke“ hat es bereits mehrere Gerichtsverhandlungen wegen der Tierhaltung gegeben. Darin ging es nicht nur um die Taubenplage, sondern auch um Ratten, die – so der Vorwurf – vom Grundstück des Tierhalters aus über die Straßen laufen und in die Nachbargärten und auch auf den Friedhof gelangen. „Meine kleine Tochter lasse ich im Garten nicht mehr unbeaufsichtigt“, sagt etwa Anwohner Mike Brieghel. Zu groß sei die Gefahr, dass wieder einmal eine Ratte durch den heimischen Garten laufe. Auch seien die Gelben Säcke schon oft von Ratten zerlegt worden.

Kreisveterinäramt ist eingeschaltet

„Weil nun auch die Leichenhalle durch die Tauben beschädigt wurde, müssen wir als Gemeinde entscheiden, ob wir gegen die weiteren Beschädigungen mit einem Zivilverfahren vorgehen“, macht Ludger Schenkel deutlich. Der Taubenhalter selbst war weder persönlich noch telefonisch erreichbar, um zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen. Mit den Behörden wurde schon gesprochen. So gibt es eine Vereinbarung mit dem Kreisveterinäramt, die Zahl der Tauben schrittweise zu verringern.

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