Benzingespräche unter dem Regenschirm    
Bild: Timmermann
In überschaubarer Runde kamen am Donnerstagabend (v. l.) Maik Haverkemper, Rolf Stövesand, Norbert Schröder sowie die Brüder Michael und Andreas Hillmer auf dem Marktplatz in Oelde zu einem außerplanmäßigen Treffen der Käferfreunde zusammen. Der Regen hielt in diesem Jahr zahlreiche Autoliebhaber von der Teilnahme ab.
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Doch am Donnerstagabend kamen statt 30 nur 5 historische Fahrzeuge. Die Benzingespräche fanden unter dem Regenschirm statt – und bei Flammkuchen, den Rolf Stövesand in seinem 58 Jahre alten VW Bulli mit Anhänger, umgebaut zum Dr.-Oetker-Hausfrauenberatungs-Bus, gebacken hat. Clubmitglied Andreas Hillmer kann nachvollziehen, dass viele Autoliebhaber ihre Oldtimer bei Regen nicht vor die Garagentür lassen. Doch er handhabt das anders: „Käferfahren ist so urgeil. Das macht bei jedem Wetter Spaß.“

Seinen 46 PS starken Käfer nimmt er überall mit hin. 15 Stunden Autofahrt bis Zell am See in Österreich könne man gut schaffen mit dem 20 Jahre alten Mobil – gemeinsam mit Frau, Tochter und Anhänger für Gepäck und Fahrrad. Welchem Ton sein plata tornasol farbener Käfer am ähnlichsten kommt, darüber rätseln die Käferfreunde. Silber? „Wenn man sich jetzt Sonnenlicht vorstellt, ist er eher golden“, meint Norbert Schröder. Er hat seinen Käfer, beklebt mit Werbung für seine Wibbelt-Apotheke in Oelde, vor 35 Jahren einer Studentin in Köln abgekauft – für 750 D-Mark. Der Wert hat sich längst vervielfacht.

Norbert Schröder ist Jahrgang 1963 und damit genauso alt wie sein Käfer. „Aber das ist Zufall“, sagt er. Er habe das Auto auch gar nicht so lange behalten wollten. Maik Haverkemper sieht seinen kürzlich angeschafften roten VW Käfer auch erst einmal nur als Übergangsauto – bis sein Käfer Cabrio fertig restauriert ist.

Warum ist Käferfahren so besonders? Die Käferfreunde nennen das Motorgeräusch und die Form der Karosserie, die besonders begeistern. „Und der Geruch“, sagt Michael Hillmer. „Wenn man einsteigt, riecht es einfach nach Käfer, besonders, wenn man die Heizung anmacht.“

Sein weißer VW Käfer ist Baujahr 1971 und damit neun Jahre älter als er. Er hat ihn als Jugendlicher schon gekauft und restauriert. „Zu meinem 18. Geburtstag konnte ich ihn dann fahren.“ Erst sei es ein Alltagsauto gewesen. Jetzt wird der Oldtimer geschont. Die Käferfreunde stehen um seinen Wagen herum. Es regnet, und eine Geschichte gibt die andere. Autopannen, Urlaube, Abschleppaktionen, die erste Liebe – mit den Autos flammen viele Erinnerungen auf, ob in der Abendsonne oder unter dem Regenschirm.

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