„Die Elenden“ - traurig, aber wunderbar
Bild: Kemper
Aufständische auf den Barrikaden im Paris des Jahres 1832. Vor ihnen steht Enjolras (Tobias Huster), ein Kopf der Studentenbewegung.
Bild: Kemper

Im Mittelpunkt des Geschehens von Hugos Roman, den er 1861 beendet hat, steht der ehemalige Häftling Jean Valjean. Zwanzig Jahre verbringt er im Gefängnis, weil er ein Stück Brot gestohlen hat. Vom gütigen Bischof von Digne bekehrt, erwirbt Valjean unter neuer Identität Reichtum und Ansehen. Sein ganzes Leben stellt er in den Dienst der Elenden und Ausgestoßenen. Jedoch – die Vergangenheit holt ihn unerbittlich ein in Gestalt des eiskalten Inspektors Javert. „Sie ändern sich nicht, diese Kriminellen“. 1832 ist die Stimmung in Paris angespannt. Viele sind geplagt vom Elend des Hungers und der Cholera. Außer teilweise tragischen Einzelschicksalen stehen die Barrikadenkämpfe in Paris im Mittelpunkt. Valjean schließt sich den Aufständischen an und stirbt mit vielen anderen. Zum Glück finden Cosette und Marius in Liebe zueinander. „Ihr seid wahnsinnig, ihr seid toll – das war ein Stück Burgbühne Stromberg“, sagte Regisseur Hendrik Becker sichtlich bewegt nach dem stürmischen Beifall der zahlreichen Premierenbesucher.

Ensemble begeistert

Tatsächlich war es eine Uraufführung, da der gebürtige Stromberger den 1500 Seiten langen Originaltext gemeinsam mit seinem Ensemble für die Aufführung meisterlich gekürzt hatte. Allumfassende Anerkennung verdienen das grandiose Bühnenbild, die stimmigen Kostüme und die wahrhaft großartige Leistung des 51-köpfigen Laienspielerensembles. Der Hauptdarsteller Guido Huster als Jean Valjean und sein Mündel Cosette (Veronika Holthöfer) sind großartig. Esther Schlanstedt als Madame Thénardier verschmilzt mit ihrer Rolle, ebenso wie Fabian Thielbeer als Marius Baron de Pomercy und Marek Frankrone als grausamer Inspektor Javert. Fantastisch, wie sich Barbara Luerweg als beherzte Madame Gillenormand gibt. Viel Beifall gibt es für Josepha Wellige in der tragischen Rolle der Eponine. Und ohne die vielen vermeintlich kleinen Rollen und bereichernden Nebenszenen wäre die Aufführung nicht denkbar. Sogar der Wettergott meinte es gut. Insgesamt eine beeindruckende, von vielen Emotionen getragene Inszenierung – traurig, aber auch einfach wunderbar.

Dr. Silvana Kreyer

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