Dr. R. Festge über Heimat und Nachfolge
Bild: Kirsch
Guter Blick auf die Heimat: Das Bild zeigt (v. l.) Florian, Dr. Reinhold und Dr. Fabian Festge auf dem Dach des Firmensitzes des Unternehmens Haver & Boecker im Zentrum von Oelde.
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 Der in Oelde geborene und lebende Firmenlenker gab dabei ein deutliches Bekenntnis zu seiner Heimatstadt ab – ihn persönlich und das Familienunternehmen betreffend. „Hier sind wir zu Hause“, erklärt er mit Überzeugung und einem Seitenblick aus dem Fenster im sechsten Stock des Firmensitzes. Von dort fällt der Blick zuerst auf den Turm von St. Johannes, dann über die Innenstadt und bis zum Geisterholz. „Wo ich zu Hause bin, bin ich gern und motiviert, dann ruhe ich in mir“, ergänzt Dr. Festge. Es möge bessere Standorte geben, mit einem Flughafen oder Hafen, „aber hier sind wir verwurzelt“. Beziehungen seien ihm wichtig, sagt der 67-Jährige und betont das stets offene Ohr, das die Oelder Verwaltung für die Belange der Industrie und der Selbstständigen habe. Ein angenehmes Miteinander sei „mit allen Bürgermeistern und Verwaltungen“ stets möglich gewesen.

Die Liebe zur Heimat verstellt dem Unternehmer nicht den Blick auf Aspekte, an denen er Verbesserungsbedarf identifiziert. Er bedauert, dass ihm nicht ganz klar sei, „wo Oelde eigentlich hinwill“. Ein mögliches Konzept zur Anwerbung weiterer Firmen sei zumindest nicht klar kommuniziert. „Und wenn wir das wollen, benötigen wir auch mehr Baugebiete für die Mitarbeiter“, nennt er ein Beispiel. Es fehle auch ein definiertes Park- und Verkehrsraumkonzept. Der Oelder vermisst darüber hinaus ein zentrales Thema, hinter dem sich Bevölkerung und Vereine gern versammeln – wie die „geniale LGS“.

Allein Forderungen aufzustellen, liegt Dr. Festge jedoch fern. Die großen Oelder Unternehmen hätten sich stets gern eingebracht, betont er, und nennt beispielhaft das Labor am Gymnasium. „Das war immer der Fall und wird immer so bleiben.“

Würde Haver & Boecker „in der jetzigen Größenordnung bei Null anfangen“, würde man das Unternehmen sicher nicht auf drei Orte in der Stadt verteilen, erläutert Festge. Doch die räumliche Trennung von Drahtweberei und Maschinenfabrik sei nicht hinderlich. Und für Erweiterungen, die „eher mit Investitionen in Forschung, Entwicklung und Intelligenz“ einhergingen, gebe es an den Oelder Standorten des Familienunternehmens Potenzial.

Nachfolger übernehmen Verantwortung

Die neue Aufgabe als Präsident des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau wird einen großen Teil von Dr. Reinhold Festges Zeit beanspruchen. Auch aus diesem Grund wird es in einem Teilbereich des Oelder Familienunternehmens einen Generationenwechsel geben. „Die Nachfolger sind da. Sie werden zum 1. Januar 2014 die operative Verantwortung übernehmen“, erklärte Dr. Festge gegenüber der „Glocke“. In der Maschinenfabrik werde sein älterer Sohn Florian (39) sein direkter Nachfolger als persönlich haftender Gesellschafter. Und dessen jüngerer Bruder Dr. Fabian Festge (36) werde Geschäftsführer der Maschinenfabrik.

Im Bereich der Drahtweberei mit Walter Haver an der Spitze ändere sich selbstverständlich nichts. Die Zügel aus der Hand zu geben, werde ihm hoffentlich gelingen, sagt Dr. Festge und ergänzt: „Ich habe alle, die mich kennen, gebeten, mir zu sagen, wenn ich etwas falsch mache.“ Doch er habe einen Vorteil: Nach langen Jahren erfolgreicher Arbeit zuerst in Brasilien und danach in den USA habe er bereits zwei Mal loslassen müssen. „Das wird mir auch ein drittes Mal gelingen.“

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