Ellen Greiwe: Herausfordernde Situation
Bild: Schomakers
Der Abstellplatz für Fahrräder ist verwaist, die Gesamtschule in Ennigerloh ist wie alle Schulen in NRW geschlossen. In den kommenden Wochen müssen die Schüler von zu Hause lernen.
Bild: Schomakers

„Die Glocke“: Sind die vom Land Nordrhein-Westfalen angeordneten Schulschließungen der richtige Schritt?

Greiwe: Ja, auf jeden Fall. Die Entscheidung halte ich für sehr sinnvoll. Das wichtigste ist in dieser Zeit, Sozialkontakte zu reduzieren – und Schule bietet viel Raum für Sozialkontakte.

„Die Glocke“: Was bedeuten die Schulschließungen – für Schüler und Lehrer?

Greiwe: Die langfristigen Folgen sind zu diesem Zeitpunkt noch nicht abzuschätzen. Kurzfristig stellen sie für alle Betroffenen eine herausfordernde Situation dar. Für die Schüler entsteht eine neue Form des Lernens, auf die sie sich einstellen müssen. Sie setzen sich allein mit dem Lernstoff auseinander, das Gruppengefüge fehlt. Die Lehrer arbeiten von zu Hause aus. Aktuell geht es vor allem darum, den Schülern Arbeitsmaterialien zur Verfügung stellen zu können. Auch die Kommunikation gilt es zu organisieren. Die Schüler werden Rückfragen haben, auf die die Lehrer reagieren können müssen. Ist der Austausch nicht gewährleistet, ist auch ein vernünftiges Arbeiten nicht möglich.

„Die Glocke“: Wie werden die Lernmaterialien zur Verfügung gestellt?

Greiwe: Alle Schüler haben ihre Bücher und Arbeitsmaterialien mit nach Hause genommen, sodass sie von dort aus arbeiten können. Zusätzliche Materialien können über E-Mails verschickt werden. Die Kollegen beschäftigen sich derzeit damit, Maßnahmen zu entwickeln, um das Lernen zu Hause in den Familien zu unterstützen.

„Die Glocke“: Apropos Kommunikation: Werden ausgegebene Arbeitsaufträge kontrolliert?

Greiwe: Ja, es muss eine Rückmeldung seitens der Schüler erfolgen. Schließlich ist es wichtig, dass sie das Gefühl erhalten, dass es nicht beliebig ist, ob Aufgaben bearbeitet werden oder nicht.

„Die Glocke“: Auf welche Kommunikationsmittel greifen Sie zurück?

Greiwe: Wir greifen auf E-Mails zurück, weil wir bisher keine Lernplattform besitzen. Schulen, die über eine solche Plattform verfügen, sind derzeit klar im Vorteil. Sie erleichtert die Organisation ungemein. Deshalb hoffen wir, dass unser Antrag an den Interkommunalen Zweckverband positiv beschieden wird. In diesen Zeiten zeigt sich, wie wichtig es ist, digital gut aufgestellt zu sein.

„Die Glocke“: Wie werden Sie sich in der Schule organisieren?

Greiwe: Abgesehen davon, dass die Lehrer von zu Hause aus arbeiten werden, ist eine Überlegung, dass ein Schulleitungsmitglied und eine Sekretärin in der Schule präsent sein werden. Erreichbarkeit ist wichtig.

„Die Glocke“: Lässt sich der Unterrichtsausfall aus Ihrer Sicht kompensieren?

Greiwe: Das werden wir sehen. Eine Alternative gibt es nicht. Der Weg, den wir jetzt gehen, ist der einzig mögliche. Ein Problem werden die Zentralen Abschlussprüfungen sein. Das Land arbeitet mit Hochdruck daran, Maßnahmen zu entwickeln, damit die Prüfungen ohne Nachteil für die Betreffenden durchgeführt werden können. Weitere Informationen liegen uns dazu bisher allerdings noch nicht vor.

„Die Glocke“: Wie blicken Sie auf die nächsten Wochen?

Greiwe: Ich bin positiv gestimmt. Alles andere nützt nichts. Wir müssen mit dem umgehen, was auf uns zukommt. Ich bin sehr froh darüber, wie besonnen Lehrer, aber auch die Eltern unserer Schüler reagiert haben. Ich kann mir vorstellen, wie schwierig es für Familien in den vergangenen Tagen war, den Alltag neu zu organisieren.

SOCIAL BOOKMARKS