Internet führt Verwandte zusammen
Wessel
Dass sie gemeinsame Wurzeln haben, wissen Ara Stepan Melkonyan (v.l) aus England und Vahric Melkonyan aus Oelde erst seit wenigen Monaten. Vahric Melkonyans Ehefrau Helga unterstützt die Suche ihres Mannes schon seit vielen Jahren.
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Dass die beiden Männer heute hier zusammen stehen verdanken sie dem Zusammentreffen von Zufall und Internet. Mehr als 50 Jahre schon forscht Vahric Melkonyan aus Oelde nach seinen armenischen Wurzeln, nach Spuren verschwundener Vorfahren und Verwandter. „Das hat mir einfach keine Ruhe gelassen“, sagt der 73-Jährige. Damit meint er, nicht zu wissen, was aus seinen Großeltern väterlicherseits geworden ist. Melkonyans Familiengeschichte hat es in sich. In vielfacher Hinsicht.

„Die Eltern meines Vaters sind 1915 in der Türkei deportiert worden“, erklärt er. Gelebt haben sie in einem armenisch bevölkerten Dorf in der Nähe von Istanbul. Als Melkonyans Vater aus dem Ersten Weltkrieg zurückkehrte, war sein Elternhaus besetzt, von seiner Familie fehlte jede Spur. „Mein Vater blieb trotz Verfolgung der Armenier in der Türkei und heiratete“, berichtet Vahric Melkonyan. Die Verbindung zu seinen Vorfahren war an dieser Stelle erst einmal unterbrochen.

Flucht vor der Unterdrückung

26 Jahre alt war Vahric Melkonyan, als er von Istanbul nach Oelde kam. Sein Antrieb? Er habe die Unterdrückung und die schlimmen Ereignisse in seiner Heimat nicht mehr ertragen und nur noch weggewollt. Dass sein neues Leben in Westfalen Wurzeln schlug, hängt ebenfalls mit seiner Herkunft zusammen „Man brauchte eine Arbeitsstelle, um herkommen zu dürfen“, erklärt seine Frau Helga. Ein Cousin von Vahric Melkonyan lebte mit seiner deutschen Verlobten in Bielefeld. Er kannte einen armenischstämmigen Zahnarzt, der als Waisenkind nach Oelde kam und eng mit den Unternehmern Hupe und Ortmann befreundet war. So führten die Verbindungen Melkonyan in die hiesige Ventilatorenfabrik.

Nicht zuletzt durch seine Frau, die Stelle und seine hilfsbereiten Arbeitgeber wurde Melkonyan schnell heimisch in Oelde. Doch stets blieb eine Frage: Was war mit seinen Großeltern geschehen? Hartnäckiges Forschen und die Unterstützung seiner Ehefrau brachten Anfang 2012 den ersten großen Erfolg. Und damit Besuch aus England.

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