Klanggemälde von elementarer Gewalt
Bilder: Schomakers
Der Musik-Verein Oelde die Capella Loburgensis Ostbevern haben in der Letter St.-Vitus-Kirche die Johannes-Passion von Johann Sebastian Bach aufgeführt.
Bilder: Schomakers

Die Leidensgeschichte Jesu wird dabei nicht als epische Erzählung vorgetragen, sondern als dramatische Szenenfolge mit dem Höhepunkt in der zentralen Gerichtsszene, die theatralische Eindringlichkeit erreicht.

Dort erscheint Christus als der erhabene Herrscher, dessen hoheitsvolle Würde sich im Gegenüber zu Pilatus offenbart. Die innere Einheit gewährleistet der Evangelist, dessen Part Marcus Elsäßer in lyrischer Verhaltenheit sehr ausdrucksvoll gestaltete, ebenso wie die beiden schönen Tenor-Arien. In den Arien, deren Texte von dem Hamburger Senator und Dichter Barthold Heinrich Brockes stammen, hatte das lyrisch-meditative Element seinen Raum. Die Arien luden die Hörer zur Betrachtung des Leidens Jesu ein.

Sopranistin Ina Siedlaczek überzeugte mit ihrem Gesang.

Ina Siedlaczek erfreute durch ihren strahlend hellen lyrischen Sopran, während Anne Schuldt die Altpartie verinnerlicht leuchtend zeichnete, besonders anrührend bei der h-Moll-Arie „Es ist vollbracht“. Den Bass-Part teilten sich Markus Krause, der mit klangvollem Volumen Jesu Rolle in den Dialogen übernahm, und Olli Rasanen, dessen ausdrucksstark vorgetragene Arie „Eilt, ihr angefochtnen Seelen“ mit den erregten „Wohin“-Zwischenrufen des Chors besonders beeindruckte. Der Musik-Verein Oelde und die Capella Loburgensis Ostbevern boten eine herausragende Leistung.

Die dramatisch erregten Massenszenen faszinierten durch ihre Eindringlichkeit, die Fugato-Passagen und expressiven chromatischen Linien wurden mit größter Prägnanz klar gezeichnet. Der Eingangschor „Herr, unser Herrscher“ geriet zu einem Klanggemälde von elementarer Gewalt, ebenso packend gestaltet war der monumentale Schlusschor.

Das Orchester der Nordwestdeutschen Philharmonie Herford betonte ebenfalls den feierlichen Ernst der Musik und trug so zur faszinierenden Geschlossenheit der düster verhangenen Stimmung bei, die durch die wechselnden Farben der Lichtinstallation untermalt wurde. Dirigent Matthias Hellmons bot eine durchdachte Interpretation der Johannes-Passion, in der die Musik aus dem Geist der Texte expressiv gedeutet wurde. So wurde die Aufführung zu einem musikalisch wie religiös tief beeindruckenden Erlebnis.

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