St. John Passion löst Bewunderung aus
Bild: Schomakers
Die Gesamtleitung der St. John Passion am Sonntagabend in der St.-Johannes-Kirche in Oelde lag in den Händen des 23-jährigen Strombergers Raúl Huesca Valverde.
Bild: Schomakers

Dort wurde am Sonntagnachmittag – erst zum vierten Mal in Deutschland – Bob Chilcotts St. John Passion aufgeführt.

Dechant Karl Kemper würdigte in seiner Begrüßung den starken Zuspruch und stimmte auf das von modernen Klängen getragene und vom Melodienreichtum der angelsächsischen Musiksprache geprägte Programm ein. Zweifellos hat auch hier Johann Sebastian Bach mit seinen Passionsvertonungen Pate gestanden, wobei das inhaltliche Zusammenwirken von Solisten, Chor und Instrumentalisten übernommen, die Musik jedoch in die Tonsprache unserer Tage übersetzt wurde.

Mehr-Generationen-Chor Diestedde steht zunächst im Mittelpunkt

Im Mittelpunkt des Interesses der knapp 700 Zuhörer stand zunächst der Mehr-Generationen-Chor Diestedde. In dem gut einstündigen Oratorium übernahm er nicht nur Eingangs- und Schlusschor sowie die Hymnen, sondern auch die aussagestarken Einwürfe des Volkes und der Soldaten.

Der Chor, seinem Namen entsprechend aus Sängerinnen und Sängern verschiedener Altersstufen besetzt, glänzte dabei durch ein ausgezeichnetes Vorbereitetsein, durch klangliche Perfektion und Geschlossenheit, durch die expressiven Ausbrüche, ohne je in Klischees zu verfallen, und durch eine wohltuende, mitreißende Klangqualität. Diese verbreitete – trotz des Themas Passion – Wohlklang und löste zugleich tiefe Rührung aus.

Wohltuend beruhigend und tröstende Harmonie

Die Klangwelt des Kammermusikensembles „Owa Nowa“ aus Münster war ausgeglichen und strahlte eine wohltuend beruhigende und tröstende Harmonie und Reinheit aus. Seine Beiträge in den Hymnen und Meditationen grenzten ans Klangideal.

Die vier Gesangssolisten der St. John Passion, die am Sonntag in der Oelder St.-Johannes-Kirche aufgeführt worden ist, schienen für ihre Partien nahezu Idealbesetzungen zu sein.

Sänger überzeugen in ihren Rollen

Vor allem der Tenor Stephan Hinssen gestaltete die umfangreiche Rolle des Evangelisten mit einer nuancenreichen Palette an Klanggestaltung und wusste die melodienreichen Partien des Erzählens dem Inhalt entsprechenden auszuführen, ohne sich dabei in den Vordergrund zu stellen.

Michael Nonoff konnte die Partie des Jesus mit seinem markanten, aber nicht aufdringlichen, sondern eher wohltuenden Bass der Würde dieser Rolle entsprechend gestalten.

Bastian Röstel stellte die Rolle des Pilatus und der übrigen Partien mit seiner angenehmen Bass-Bariton-Stimme sachgerecht dar. Heike Hallaschka überraschte mit ihrer wunderbaren Sopran-Stimme insbesondere bei den meditativen Teilen, in denen sie auch stimmlich die Rolle der „gläubigen Seele“ übernahm.

Außer dem Bläserquintett Embrassy Münster, das klanglich mitunter ein großes Orchester ersetzte, verdienten Bratschistin Marlies Eckelt und Cellistin Antie Grünewald große Anerkennung. Ihre Soli bildeten den Teppich für das Ausleben der Gefühle dieser doch sehr fordernden Erzählung.

Andreas Unger hatte an der Orgel nicht nur die Funktion des Begleitens. Er bereitete auch in seinen Zwischenspielen und Überleitungen die Stimmungen für die Partien der Chöre und der Solisten gekonnt vor.

Leitung übernimmt 23-jähriger Raúl Huesca Valverde

Ein Hauptaugenmerk richteten die Besucher jedoch auf Raúl Huesca Valverde, der im Alter von 23 Jahren eine Leistung vollbrachte, die nicht hoch genug einzuschätzen ist. Er hatte sich ein unbekanntes, zweifellos höchst spannendes und musikalisch forderndes Werk vorgenommen und gewagt, dieses einzustudieren, wohl wissend, dass alle Mitwirkenden, auch die Berufsmusiker, es niemals gespielt hatten.

Die Aufführung zog die Zuhörer nicht nur mehr als eine Stunde lang in ihren Bann, sondern drang auch mit der Geschichte vom Leiden und Sterben Jesu Christi nach Johannes in die Herzen und der Seelen der Menschen ein und rührte sie.

Glückwunsch und Dank allen Beteiligten! (Dr. Burkhard Löher)

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