Verantwortung für Ernährung übernehmen
Bild: Reimann
Im Nahrungsmitteldickicht hat der Stromberger Dr. Jochen Hamatschek, Präsident der Gesellschaft Deutscher Lebensmitteltechnologen den Durchblick.
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Er hat jedoch wesentlich mehr zum Thema Nahrungsmittel zu sagen. Zu einem Thema, das geprägt ist von Schlagworten wie „Clean Label“, Ökobilanz der Ernährung“, „Dioxin-Skandal“ und „Verschwendung von Lebensmitteln“, aber auch „Essensfälscher“ oder „Vegetarier als die besseren Menschen“.

Jochen Hamatschek weiß um die Rolle der Lebensmittelindustrie und um das Misstrauen, das ihr 50 Prozent der Bevölkerung entgegenbringen. Er sieht die Orientierungslosigkeit, die aus dem kaum noch überschaubaren Angebot an Lebensmitteln entsteht und die daraus resultierenden Folgen für die Volksgesundheit. Allein in Deutschland seien 60 Prozent der Männer und 40 Prozent der Frauen übergewichtig, so Hamatschek. 30 Prozent der Gesundheitskosten in Deutschland oder 70 Milliarden Euro jährlich resultierten aus den Folgen von Übergewicht. Doch der Lebensmittelindustrie allein den schwarzen Peter zukommen zu lassen, dagegen spricht sich Hamatschek aus.

Zur Person:

Dr. Jochen Hamatschek wurde 1954 in Heilbronn geboren. Er ist verheiratet, hat zwei Kinder und lebt in Stromberg. Seine beruflichen Stationen: Studium der Lebensmitteltechnologie von 1973 bis 1979 in Stuttgart-Hohenheim, Promotion zum Dr. rer. nat. von 1979-1981 über eine Methode der Rotweinherstellung. Parallel zu Studium und Promotion und bis Ende 1982 Arbeit in verschiedenen Weinkellereien; Erwerb des Handwerkstitels „Kellermeister“; Manager bei Westfalia Separator seit 1983, zuerst in Süddeutschland, die letzten 18 Jahre bis zum Ende der aktiven Tätigkeit 2010 in Oelde im Top-Management; Unterbrechung der Industrietätigkeit von 1990-1992 aufgrund einer Berufung zum Professor im Fachgebiet Kellerwirtschaft an der Forschungsanstalt Geisenheim. Von 2003-2010 Kuratoriumsmitglied der Fraunhofer Gesellschaft m Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik in Oberhausen. Seit 2010 ist Jochen Hamatschek Präsident der Gesellschaft Deutscher Lebensmitteltechnologen. Er ist Preisträger im Wettbewerb des Wissenschaftsministeriums „Reporter der Wissenschaft“ des Jahres 1982. Zahlreiche Fachveröffentlichungen und Mitarbeit an zwei Fachbüchern.

Die Lebensmittelindustrie als viertgrößte Industrie Deutschlands verspüre den Druck, gesünder produzieren zu müssen, um nicht ähnlich wie die Tabakindustrie stigmatisiert zu werden. Die Lebensmittelindustrie habe, so Hamatschek, „die hohe technologische Herausforderung angenommen, Produkte so zu modifizieren, dass diese mit einem Minimum an Konservierung, Stabilisierung oder Lebensmittelfarbe auskommen“. Das heißt, es sollen so wenige der 305 Lebensmittelzusatzstoffe – die sogenannten E-Nummern – wie möglich in dem Produkt verwendet werden.

 „Dank der Tätigkeit meiner Kollegen steht eine riesige Palette an Produkten zur Verfügung, die gesundheitlich unbedenklich sind. Sie liefern Stoffe, die der Mensch braucht. Aber sie können auch individuell über das Ziel hinaus schießen mit zu viel Salz, Zucker und Fett“, sagt Hamatschek. „Der Verbraucher ist gefordert, dies abzulehnen“, setzt er auf einen informierten Bürger. Sein Appell an die Selbstverantwortung geht mit dem Wissen einher, dass „der Mensch in dem Übermaß der modernen Ernährung – er kann ständig zwischen rund 180 000 Produkten auswählen – nur schwer die Orientierung findet.“

Ein Interview mit Dr. Jochen Hamatschek können Sie in der Oelder und Beckumer Samstagausgabe der „Glocke“ lesen.

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