Verzicht auf Alkohol wirklich umsetzen
Bild: Dresmann
Der Oelder Karl-Heinz Wesemann ist Landesverbandsvorsitzender des Freundeskreises Suchtkrankenhilfe und leitet eine Selbsthilfegruppe in Neubeckum. Mit ihm hat „Die Glocke“ über den Neujahrsvorsatz gesprochen, auf Alkohol zu verzichten, und darüber, was passieren sollte, wenn einem dieser Verzicht nicht gelingt.
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Und einen schließlich der Gedanke beschleicht, vielleicht süchtig zu sein? „Die Glocke“ hat darüber mit Karl-Heinz Wesemann gesprochen.

Wesemann ist nicht nur Geschäftsführer des Nordrhein-Westfälischen Landesverbandes des Freundeskreises für Suchtkrankenhilfe, sondern leitet auch eine Neubeckumer Selbsthilfegruppe für Suchtkranke. Und er sagt: „Für eine Zeit auf Alkohol zu verzichten, ist erst einmal der beste Weg herauszufinden, was mir ein Leben ohne Alkohol ausmacht.“

Gefahr besteht, sich selbst zu betrügen 

Wesemann war vor 35 Jahren selbst abhängig, hat es zwei Jahre geschafft, ohne Alkohol zu leben, erlitt einen schweren Rückfall und holte sich dann Hilfe. Seitdem ist er trocken.

„Wer wirklich süchtig ist, der hält maximal ein halbes Jahr ohne Alkohol durch, wenn er sich keine Hilfe holt“, sagt Wesemann. Beim (temporären) Verzicht sei wichtig, genau auf sich selbst zu achten und die eigenen Verhaltensweisen zu reflektieren.

„Aber bei der Methode, zeitlich begrenzt auf Alkohol zu verzichten, gibt es das Problem, dass man sich schnell selbst betrügt“, sagt der 65-Jährige. Denn das gesetzte zeitliche Ziel motiviere einerseits zum Einhalten des Alkoholverbots. Andererseits sei die Zeit nach Ablauf der Frist sehr entscheidend: „Wenn ich dann doppelt so viel trinke wie vorher, um alles Verpasste nachzuholen, dann ist das ein schlechtes Signal“, sagt Wesemann und nennt damit ein Anzeichen, das auf eine Sucht hindeutet.

Man habe sich vorher zwar selbst bewiesen, dass man eine Zeit lang ohne Alkohol auskomme, ziehe aber jetzt keine positiven Konsequenzen, sondern fühle sich zum genauen Gegenteil hingezogen.

Mehr zu diesem Thema lesen Sie auf der Oelder Lokalseite in der „Glocke“ von Donnerstag, 30. Januar.

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