Wasserturm ist seit 40 Jahren Geschichte
Bild: Haver
Zum Stadtbild von Oelde gehörte 60 Jahre lang der Wasserturm mit einer Höhe von 44 Metern.
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Die Hälfte des Geländes der Straße Am Wasserturm kaufte Dieter Schmillenkamp 1972. Der heute 75-Jährige bezog damals mit seiner Frau deren Elternhaus, das an das Grundstück der Wasserversorgung grenzte. Ein Teil des Geländes vergrößerte somit seinen Garten, den anderen Teil erwarb sein Nachbar.

Gebaut wurde der Wasserturm in der Kaiserzeit, als die Oelder ihr Trinkwasser noch aus Brunnen schöpften. Der Turm sorgte durch die erhöhte Lage des Speicherbehälters für den nötigen Druck, damit das Wasser aus der Leitung fließen konnte. Diesen Zweck erfüllen seit 1970 die fünf Pumpen der Druck- und Speicheranlage der Wasserversorgung Beckum am Benningloher Weg.

Große Trümmer aus der Turmspitze fielen herunter

Der Turm wurde nicht mehr gebraucht. Doch abgerissen wurde er erst, nachdem große Trümmer aus der Turmspitze heruntergefallen waren. „Sie stürzten hier in den Garten, der zum Elternhaus meiner Frau gehörte“, sagt Dieter Schmillenkamp. „Es war Glück, dass sie niemanden verletzten.“

Der Abriss des baufälligen Turms war aufwändig. „Er konnte nicht einfach gesprengt werden, weil er dicht an den Wohnhäusern stand“, erinnert sich Dieter Schmillenkamp. „Er wurde eingerüstet und am oberen Teil abgebrochen. Die Trümmer wurden in das Turminnere geworfen. Dann wurde der Rest mit einem Bagger abgerissen.“ Die Abbrucharbeiten nahmen mit einer Dauer von vier Monaten mehr Zeit in Anspruch als der Bau im Jahr 1910.

Gebäude spielte Rolle im Zweiten Weltkrieg

Die Konstruktion mit um die Jahrhundertwende üblichen Jugendstilelementen hatte Dieter Schmillenkamp gefallen. „Einige Bauteile waren nur da, weil sie gut aussahen. Sie erfüllten keinen bestimmten Zweck“, erklärt er. Der Turm aus Natur- und Backstein hatte ein Kegeldach, kleine Dachhäuschen und eine Laterne mit Rundumblick an der Spitze. „Die Laterne war im Zweiten Weltkrieg ein Luftraumbeobachtungsposten“, sagt der 75-Jährige.

„Dort hielten Soldaten Ausschau nach Fliegerangriffen.“ Mit dem Abriss verlor die Stadt eines ihrer typischen Merkmale. Trotzdem sei die Maßnahme richtig gewesen, sagt Dieter Schmillenkamp. „Wer will ein solches Gebäude heute erhalten?“, gibt er zu bedenken. „Wir wären nicht hergezogen, wenn der Turm hier weiter gestanden hätte“, sagt er. Doch später setzte er sich mit dafür ein, dass heute ein Schild an der Straße an den Turm erinnert.

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