Zarte Gefühle keimen in Aula wieder auf
Bild: Utlaut
Szenen einer Ehe haben Mariele Millowitsch und Walter Sittler ihrem Publikum in der Aula des Thomas-Morus-Gymnasium anschaulich präsentiert. Die Schauspieler waren mit ihrer szenischen Lesung „Alte Liebe“ in Oelde zu Gast.
Bild: Utlaut

Die beliebten Schauspieler waren mit ihrer szenischen Lesung „Alte Liebe“ nach einem Roman von Elke Heidereich und Bernd Schroeder in Oelde zu Gast. Lore, Mitte sechzig, und ihr Ehemann Harry haben sich nach vierzig Ehejahren nicht mehr viel zu sagen. Er, ehemaliger Architekt, hat sich für den Ruhestand entschieden, ist zufrieden mit seinem Leben und geht in Gartenarbeit und Golf spielen auf. Sie, Bibliothekarin, scheut den Schritt ins Rentnerdasein.

„Ist es schon Glück, wenn es nur lange genug hält?“

Sie weiß nicht, ob der Grund dafür die Liebe zu ihrem Beruf oder die Angst vor dem Alltag mit ihrem Mann allein zu Hause ist. Sie hat „Hunger nach Reisen und Kultur“, er ist mit dem Sportteil der Zeitung zufrieden. „Ist es schon Glück, wenn es nur lange genug hält?“, fragt sie sich. „Wann fängt man endlich an, seine Frau zu verstehen?“, grübelt er in seiner Ratlosigkeit. „Der Alltag frisst die Gefühle auf“, sind sie sich sicher.

Subtil angelegt in ihren Dialogen keimt dann bei beiden plötzlich ein zartes Gefühl der Zuneigung wieder auf. Sie machen Pläne, kaufen einen Anzug und ein Kleid und brechen zur Hochzeit ihrer Tochter nach Leipzig auf. Alte Erinnerungen kommen hoch. „Den Satz ‚Weißt du noch’, den habe ich nur mit dir“, gesteht er ihr zärtlich und „Lore, ich liebe dich immer noch“. Als Harry auf der Hochzeitsfeier „wie früher“ mit ihr tanzt, spürt Lore, dass sie glücklich ist. Am Tag vor ihrer Pensionierung, der sie nun endlich zugestimmt hat, stirbt Lore plötzlich an Herzversagen.

Unaufgeregt und feinfühlig

Das Publikum nimmt den erfahrenen Rezitatoren die Gefühle ab. Unaufgeregt und feinfühlig gleiten sie in die Charaktere ihrer Rollen und lassen den Zuschauer spüren, dass sie es ehrlich meinen mit dem, was sie sagen. Ein beeindruckender Abend, der nachklingt, denn „großes Glück und große Traurigkeit, das liegt oft so nah beisammen“.

SOCIAL BOOKMARKS