Baum begräbt Wohnwagen unter sich
Bild: Tenbrock
Bernadette Langner und ihr Sohn Lars sind seit Jahren regelmäßig zu Gast im Campingpark Eichenhof in Sassenberg. Der Sturm am Donnerstag hat die Parzelle des 29-Jährigen verwüstet.
Bild: Tenbrock

Auf der anderen Seite des Campingplatzes, zur Feldmarkseeseite gelegen, bietet sich ein weit schlimmeres Bild. Bernadette Langner stehen der Schock und die Fassungslosigkeit noch ins Gesicht geschrieben.

Ein riesiger Baum hat ihren Wohnwagen sowie den ihres Sohnes und das davor noch im Bau befindliche Vorzelt aus Holz unter sich begraben. „Gestern Abend kam der Anruf. Mein Sohn und ich haben uns sofort auf den Weg nach Sassenberg gemacht.“ Vor Ort bot sich ihnen ein Bild der Verwüstung: Der Sturm hat innerhalb weniger Minuten ihr gepflegtes Urlaubsdomizil zerstört.

„Beide Wohnwagen sind so stark beschädigt, dass sie wohl nicht mehr zu gebrauchen sind“, sagt die Ahlenerin resigniert, die mit ihrer Familie „seit mehr als acht Jahren“ auf dem Campingplatz ihr zweites Zuhause hat. Den Schaden schätzt sie auf 50 000 Euro. Dabei stehe ihr Wohnwagen nur ausnahmsweise auf dem Platz ihres Sohnes, da bei ihr derzeit auf der Parzelle gearbeitet werde.

Die Familie hat noch Glück im Unglück gehabt – niemand war vor Ort, als der entwurzelte Baum auf die Fahrzeuge aufschlug. „Am Sonntag waren wir nach vier Wochen Urlaub abgereist. Undenkbar, wenn es meinen 15 Monate alten Enkelsohn getroffen hätte“, sagt sie und schüttelt den Kopf, so als könne sie immer noch nicht glauben, was passiert ist.

Als wären die immensen Schäden nicht schon schlimm genug, kommt laut Bernadette Langner noch hinzu, dass sich „niemand zuständig fühlt, den Baum zu beseitigen“. Es sei unklar, wem die Bäume gehören. „Der Campingplatzinhaber hat gesagt, dass er nicht zuständig ist, weil die Bäume außerhalb des Geländes stehen“, berichtet die 56-Jährige aufgebracht. Mitarbeiter der Stadt seien zwar vor Ort gewesen, um sich ein Bild von der Situation zu machen, aber mehr sei auch nicht passiert. Zu allem Überfluss sei ihr Sohn beim Versuch, den Baum selbst zu zerlegen, von der Leiter gefallen und habe sich verletzt.

Die einzigen, die Hilfe angeboten hätten, den Baum zu beseitigen, wären einige Camper aus der Nachbarschaft gewesen. Dabei hätte die Last schnellstmöglich von den Wagen und dem Vorzelt genommen werden müssen.

Der Tag danach

Gestern ging es vielerorts in Füchtorf und Sassenberg ans Aufräumen. Ein Gewitter mit Starkregen und heftigen Windböen hatte am Donnerstagnachmittag Bäume entwurzelt, zu Stromausfall und Unfällen geführt. Mitarbeiter der Stadt waren am Freitag damit beschäftigt, die Schäden zu begutachten und zu beseitigen. Vornehmlich ging es zunächst darum, die Ordnung im „Naherholungsgebiet Feldmark sowie das Freibad wiederherzustellen“, sagte der stellvertretende Bauamtsleiter, Martin Tewes. Im Freibad musste am Morgen „ein Baum gefällt und herumliegende Äste sowie Laub eingesammelt werden“, berichtete Schwimmmeisterin Claudia Lücke. Vieles sei gestern schon gemacht worden. Bis 20.30 Uhr habe man die Anlage gesäubert. Sogar die Badegäste hätten mitgeholfen, Laub und Äste aus dem Becken zu fischen. Auch die Feuerwehr hatte am Donnerstag bis in die Abendstunden zu tun. In Füchtorf kam es zu einem Verkehrsunfall mit vier Verletzten. Außerdem wurde in Sassenberg eine Person unter einem Baum eingeklemmt. Sie musste in einer aufwändigen Rettungsaktion geborgen werden. In beiden Gemeinden kam es in Teilen zu Stromausfall: In Sassenberg hatte ein Blitz eine Leitung getroffen. In Füchtorf war ein Baum in eine Leitung gefallen. „Nach zweieinhalb Stunden seien alle Kunden wieder mit Strom versorgt gewesen. Nur ein Haushalt musste bis heute morgen mit einem Notstromaggregat versorgt werden“, sagte Christof Huil von Westnetz.

SOCIAL BOOKMARKS