Eine Schafherde unter dem Weihnachtsbaum
Bild: D. Reimann
Die Herde von Thomas Reckersdrees ist gewachsen. Hier sieht man den Tierfreund bei der Fütterung.
Bild: D. Reimann

Seine Freundin Edelgard Bussmann hatte Thomas Reckersdrees nämlich mit zwei waschechten Schafen das nach seinen Worten „bisher allerschönste Weihnachtsgeschenk“ seines Lebens gemacht. Dabei war Heiligabend im vorigen Jahr für die beiden Sassenberger alles andere als gut angefangen.

 Der 44-jährige Thomas Reckersdrees, der als Lkw-Fahrer arbeitet, musste noch eine Tour bis nach Rietberg fahren und blieb angesichts der Schneemassen des vorigen Winters gleich zweimal stecken. Erst am Mittag kehrte er erschöpft nach Hause zurück. „Du brauchst Dich gar nicht umzuziehen, es wartet noch eine Menge Arbeit auf Dich“, empfing ihn seine Freundin Edelgard Bussmann vielsagend. Als Reckersdrees kurz darauf einen Viehanhänger auf seinen Hof an der Straße „Zum Hilgenbrink“ fahren sah, wusste er sofort, was die Stunde geschlagen hatte. Schließlich hatte er auf die Frage, was er sich zu Weihnachten wünsche, stets nur mit einem knappen „Schafe“ geantwortet.

 „Ich habe alles, was ich brauche, bin gesund, habe Arbeit, genügend Schuhe und Krawatten, was soll man sich da noch wünschen“, sagte der Tierliebhaber, der ebenfalls vier Hühner und 30 Vögel – angefangen vom Wellensittich, über Nymphen, Ziegen- und Katharinensittich bis hin zum Blasskopf-Rosella - sein eigen nennt. Thomas Reckersdrees ist gelernter Lebensmitteltechniker. Als solcher war er viel und lange im europäischen Ausland unterwegs. „Ich hatte jahrelang kein richtiges Zuhause“, sagt er. Die Tiere bedeuten für ihn ein Stück Heimat und Geborgenheit zugleich. „Ich habe mir hier auf dem Hof das wiedergeholt, was ich in meinem bisherigen Leben lange vermisst habe“, sagt er und freut sich jeden Tag aufs Neue, wenn die Lebensgefährtin ihn zärtlich begrüßt und die Vögel es ihr zwitschernd, die Hühner gackernd und die Schafe blökend nachtun.

 Aus den ursprünglichen zwei Schafen, „Schorni“ und „Schnucki“ genannt, ist mittlerweile eine kleine Herde mit zehn Tieren geworden. So hat die Ankündigung Edelgard Bussmanns, dass Arbeit auf ihn warte, nichts an Gültigkeit eingebüßt. Voriges Jahr galt es, erst einmal einen Stall zu bauen. Dann musste eine Wiese für die Tiere gefunden werden.

Im Sommer, wenn die Schafe auf der Wiese stehen, fahren der Tierfreund und Edelgard Bussmann jeden Abend dorthin. Und wenn „Schorni“ dann angerannt kommt, Thomas Reckersdrees mit dem Kopf anstößt, was so viel heißen soll, wie „kraul mich“, und er diesem Anliegen glücklich nachkommt, weiß Edelgard Bussmann, dass sie alles richtig gemacht hat.

Die Schafe setzten aber noch weitere Aktivitäten in Gang. „Schatz, wir bauen uns selbst eine Krippe. Wir haben den Stall, die Schafe, den Rest kriegen wir auch noch hin“, überraschte Thomas Reckersdrees Edelgard Bussmann diesen Herbst mit seinen neuesten Plänen. Die fanden auch in der Nachbarschaft so großen Anklang, dass sich alle mit eingebracht haben. Einer besorgte das Material für die Krippe, die Damen der Nachbarn kleideten die Schaufensterpuppen ein. Im Nu konnte mit allen Beteiligten ein Krippenfest gefeiert werden. In guter Tradition wurde Thomas Reckersdrees, der sich als absoluten „Weihnachtsmenschen“ bezeichnet, auch am Nikolaustag „tierisch“ überrascht: Ein Lämmlein war geboren, und das erhielt passend zum Tag seiner Geburt den Namen Nikola.

In diesem Jahr wünscht sich Thomas Reckersdrees nur ganz normale Dinge, wie etwa Socken und ein neues Portemonnaie. Dennoch könnte es erneut zu einer anderen Bescherung kommen: Ein weiteres Muttertier kann jeden Tag ablammen. Und vielleicht kommt das Lämmlein ja passen am heutigen Heiligabend zur Welt. Denkbar wäre es.

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