Heiligabend ist ein emotionaler Tag
Bild: S. Austrup
Über Besuch am Heiligen Abend und mitgebrachte Schokolade freute sich Bewohnerin Maria Grünkemeier (2. v. r.). Hanna und Lena kamen mit ihrer Großmutter Gertrud Grünkemeier in das Altenzentrum St. Josef.
Bild: S. Austrup

Anja Große-Kunstleve weiß, dass die Bewohner heute wert auf festliche Kleidung legen. Dennoch, nur ein verschwindend kleiner Teil der Bewohner des Altenheims wird an Heiligabend von Angehörigen abgeholt, um im Familienkreis Weihnachten zu feiern. ´

Die meisten Bewohner bleiben in St. Josef und freuen sich dort auf Besuche von Angehörigen. Einige Wenige haben weder Angehörige noch Besucher, sind aber in die Weihnachtsfeiern voll eingebunden. Weihnachten beginnt in St. Josef nicht erst am Heiligen Abend. Seit dem ersten Advent ist regelmäßig Programm, werden die Bewohner auf das Fest eingestimmt.

Auf den Stationen wird ebenso gefeiert wie im Erdgeschoss. Heimleiter Werner Fusenig freut sich, dass viele Vereine, Schulen und auch Privatpersonen zur Unterhaltung der Heimbewohner beitragen. Nach der Nikolausfeier und den regelmäßigen Unterhaltungsnachmittagen an den Adventssonntagen stellte die gemeinsame Weihnachtsfeier mit Bewohnern und mit rund einem Dutzend weiterer Personen den Höhepunkt dar. Das gesamte Haus ist weihnachtlich dekoriert. Plätzchenduft zieht durch die Räume.

Die Weihnachtsbäume wurden geschmückt, Adventskränze vermitteln besinnliche Atmosphäre. Fusenig möchte, dass sich die Bewohner fühlen wie daheim. Dies gilt besonders für Heiligabend, ein für die Senioren sehr emotionaler Tag. Wer körperlich dazu in der Lage ist, geht zum ökumenischen Gottesdienst in der Kapelle. Gefeiert wird auch separat in den Wohnbereichen der Stationen für dementiell erkrankte Menschen. Es gibt Kaffee, Plätzchen und Kuchen. Auch Gertrud Grünkemeier war mit ihren Enkeln Hanna und Lena zu Besuch.

Die beiden Kinder waren mit ihren Eltern aus dem 350 Kilometer entfernten Weimar angereist, um mit ihrer Tante Mia zu feiern. Tante Mia, das ist die Schwägerin von Gertrud Grünkemeier, die 88-jährige Maria Grünkemeier. „Über mitgebrachte Schokolade freut sie sich immer am meisten“, erzählt Gertrud Grünkemeier mit einem Lächeln.

Gegen 20 Uhr liegen die meisten Bewohner in ihren Betten. Auch diejenigen, die von ihren Angehörigen abgeholt werden, sind wieder da. Sie sind müde nach einem für sie turbulenten Tag.

Fast niemand verbringt die Nacht außer Haus. Heiligabend ist nicht nur für die Heimbewohner kein gewöhnlicher Tag. Anja Große-Kunstleve: „Heiligabend ist kein normaler Dienst. Er ist auch für uns Mitarbeiter etwas Besonderes.“ Und das sah auch so aus: Zu Besuch im Altenzentrum kamen in diesem Jahr ganz besondere Gäste, um für die Unterhaltung der Bewohner während der Feierstunde zu sorgen.

Den Auftakt machte eine Bewohnerin persönlich. Die 97-jährige Wilma Mais trug das Gedicht „Die Glocke von Innisfare“ vor. Da Gedichte schon immer ihre Leidenschaft sind und waren, konnte sie es auswendig vortragen. Gar nicht so leicht, bei mehr als 1300 Wörtern und ungefähr 20 Minuten Vortragsdauer. Großer Applaus war ihr sicher. Sozialpädagogin Cecylia Antolak überreichte als kleinen Dank ein Blumengesteck.

Im Anschluss spielten Lukas Gausepohl, Moritz Dreger, Finya Lange, Yannik Milkov und Clemens Hofbauer von der Musikschule Beckum-Warendorf klassische Weihnachtslieder auf ihren Trompeten. So mancher Senior zeigte auch hier Textsicherheit und sang die Strophen von „Stille Nacht“ und „Oh du fröhliche“ fehlerfrei mit. Auch die Sozial AG der Sassenberger Realschule hatte eine Idee, den Bewohnern des Altenzentrums den Heiligen Abend besonders festlich zu gestalten. Chiara Kurzawski, Inga Zumbrink, Annika Benten und Lisa Berger trugen die Geschichte von Rudolph dem Rentier mit der roten Nase vor.

Die Neuntklässlerinnen besuchen in regelmäßigen Abständen das Altenzentrum St. Josef, um mit den Bewohnern zu basteln, Lieder zu singen oder ein Stück Torte zu essen und sorgen regelmäßig für gute Stimmung. Als Höhepunkt spielte das Gebrasa Blasorchester auf und sorgte für eine gelungene Feier.

Danach erhielten die Bewohner individuelle Geschenke, die von den Altenpflegerinnen gekauft worden waren. Gemeinsam ließ man den besinnlichen Nachmittag mit Kaffee und Kuchen ausklingen.

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