Im Land der Dichter und Trinker
Bild: D. Reimann
Gelernt ist gelernt: Andreas Fiebig, Schauspieler und Synchronsprecher, verstand es im „Blauen Saal“ von Schloss Harkotten, kuriose Situationen höchst lebendig darzustellen.
Bild: D. Reimann

 Andreas Fiebig, Schauspieler und Synchronsprecher, führte die zahlreich erschienenen Kulturinteressierten in skurrile Begebenheiten von Literaten und Literaturszene ein.

Als schier unerschöpflicher Fundus gereichte ihm im „Blauen Saal“ von Schloss Harkotten das Werk „Was geschah mit Schillers Schädel? Alles, was Sie über Literatur nicht wissen“ aus der Feder von Rainer Schmitz. „Hier stecken interessante, spannende und lustigste Geschichten“, so Fiebig.

Aus 1200 Stichworten mit mehr als 400 Namen hatte der Referent publikumswirksame Passagen herausgefiltert. Das ist ihm, der erst spät zu seiner Berufung gefunden hat – auf Anraten des Herrn Vaters war er zunächst im Finanzamt tätig – vortrefflich gelungen. Mit seiner markant-sonoren Stimme stellte er allerlei Kuriositäten in alphabetischer Reihenfolge vor.

 Der Alkohol diente seit jeher Literaten als Inspiration. „Wassertrinker können nie erfolgreiche Autoren sein“, so ein drei Jahrhunderte altes Zitat. Das Land der Dichter und Denker stellte sich oftmals als Land der Dichter und Trinker dar. Georg Christoph Lichtenberg etwa, der sich selbst als „Wonnetrinker“ bezeichnete, genoss täglich vier Gläser Rotwein. E.T.A. Hoffmann hatte ebenfalls einen Ruf als trinkfester Geselle, und Gottfried Keller versuchte, seine ausufernden Trinkgewohnheiten und seinen schwankenden Gang mit manchem Trick zu verschleiern.

Wer A sagt, muss auch B sagen, und so widmete sich Fiebig als nächstes dem Thema „Bett“. Mit diesem Stichwort ist Goethe verbunden. Nach seinem Motto; „Wer wird denn gleich heiraten, wenn man liebt. Liebe ist etwas Ideelles, Heiraten etwas Reelles“, ließ er reihenweise gebrochene Mädchenherzen zurück. Ob der Doppelselbstmord von Heinrich Kleist und der jungen Henriette Vogel, die 46 Daiquiris, die sich Ernest Hemingway gern genehmigte, die verschiedensten Geburtsdaten eines Heinrich Heine oder das unbändige Kommunikationsbedürfnis des „erotischen Kommunikators“ George Simenon, es wurde nichts ausgelassen.

Gerade diese bunte Vielfalt ließ die Lesung zu einer ausgesprochen runden Sache werden. Die titelgebende Frage kann übrigens bis heute keiner beantworten.

 So unverwechselbar Schillers literarisches Werk, so beliebig sein Schädel. Denn dieser konnte ihm selbst von wissenschaftlicher Seite nicht mehr zugeordnet werden.

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