In Sassenberg wird Mozart gespielt
Bild: D. Reimann
Das Ensemble Opus 7, der Chor Cantus Fortunatus und die Solisten erbrachten eine formidable Leistung.
Bild: D. Reimann

Chorleiter Klaus Scheidweiler gehört zu den (wenigen) unerschrockenen Künstlern der Region, die sich an konzertante Mammutaufgaben wie Mozarts „Te Deum“ und vor allem dessen Requiem wagen – und für diesen Mut stets belohnt wird. Mozarts Spätwerk, das Requiem, gehört zu den Hochwerken der Chorliteratur, weil es seinem Schöpfer hier in wunderbarer Synthese gelang, die kompositorischen Strömungen seiner Zeit zu bündeln, um zugleich auch einen stilistischen Weg in die Romantik zu weisen: Beeinflusst von der kontrapunktischen Schreibweise in der Art Bachs und Händels, inspiriert von den ariosen Wendungen der neapolitanischen Schule und im Orchestersatz geleitet von romantisierender Harmonik und dramatischer Sinfonik, verlangt dieses Werk vor allem dem Chor schier übermenschliches Leistungsvermögen ab.

Was „Cantus Fortunatus“ als Projektchor dabei an routinierter Profession fehlt, mussten die Mitglieder durch ein Übermaß an Einsatzbereitschaft wettmachen. Das gelingt nicht immer, hier schon. Unser Chor gestaltete mit stilistischer Prägnanz, erreichte klare musikalische Abläufe und vermittelte eindringlich den ganzen Gehalt dieser Musik. So erfolgten fugierte Einsätze auf den Schlag genau, Melismen wurden synchron zu den Spielfiguren der Streicher plastisch artikuliert, Übergänge gelangen organisch fließend, und die geschulte Deklamation des Textes erfolgte gestochen klar und von eindringlicher Intensität.

Scheidweilers Lesart verband dramatische Dichte mit Transparenz und Klarheit und bemühte sich auch um angemessene Textbehandlung sowie musikalische Phrasierung. Auch das Orchester „Opus 7“ wurde zu Höchstleistungen getrieben: Spielerische Reinkultur an allen Pulten und dynamische Anpassungsfähigkeit bewirkten klangliche Verschmelzung in Reinkultur. Die Streicher gestalteten präzise bis ins Detail, die Holzbläser taten sich durch leuchtende Klangfarben und spielerischen Glanz hervor. Die Vokal-Solisten garantierten durchweg werkgerechte Gestaltung ihrer Partien, und doch ergaben sich interpretatorische Unterschiede: Sopranistin Friederike Weritz verstand ihren Part mehr liedhaft, in anmutiger Innigkeit und Schlichtheit.

Dagegen befeuerte Altistin Camilla Lehmeier die Glut opernhafter Dramatik. Tenor Martin Rainer Leipoldt interpretierte mit klarer, schlanker Stimmgebung mehr vom Text und seiner Prosodie aus, während Bassist Janno Scheller die ariosen Elemente betonte. Durch Verschmelzen der Stimmen, den Wechselgesang zwischen Chor und Solisten sowie eine subtile Orchesterbegleitung entstand ein Klangbild von Mozarts „Requiem“, in dem die Größe des Todes erfahrbar und ihm zugleich der Schrecken genommen wurde. Und so soll es ja auch sein. Um es einfach, und doch treffend in einem einzigen Satz auf den Punkt zu bringen: In Sassenberg wurde Mozart gespielt.

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