Kinder und Senioren lernen voneinander
Bild: S. Austrup
Die gemeinsamen Aktionen von Jungen und Mädchen des Johanneskindergartens und Bewohnern des Altenzentrums St. Josef sind für alle Beteiligten ein Gewinn.
Bild: S. Austrup

Dabei werden Kindergärten zusammen mit den Erzieherinnen oder Eltern eingeladen, im Seniorenheim Zeit mit den Bewohnern zu verbringen. Es wird gemeinsam gesungen, es werden Geschichten erzählt oder Theaterstücke aufgeführt. Seit fast zwei Jahren besuchen Erzieherin Iris Holtkämper und Lisa Sökeland mit einer Gruppe, bestehend aus sechs bis acht Kindern, regelmäßig das Altenzentrum.

Die Idee hatte Altenpflegerin Frauke Rühmann. „Da wir nicht weit vom Johanneskindergarten entfernt liegen, bietet sich eine Zusammenarbeit an“, freut sich Rühmann. Allen Beteiligten tut das Miteinander gut, weiß die Initiatorin. „Wir stellen sogar bei den Demenzkranken große Fortschritte fest. Irgendwie löst die Anwesenheit der Kinder etwas aus, das das Langzeitgedächtnis anregt“, ergänzt Rühmann.

Auch deshalb findet das Projekt von nun an alle zwei, anstatt wie vorher im Sechs-Wochen-Turnus, statt. Simone sitzt jedesmal neben der Hermine Dewenter. Gemeinsam singen sie Weihnachtslieder, wie „Oh du fröhliche“ oder „Stille Nacht“. „Ich denke, dass Kinder bewusst miterleben, dass ein älterer Mensch auch krank werden kann“, sagt Betreuerin Iris Holtkämper, „dass ein älterer Mensch auch nicht mehr so beweglich ist, weniger lange konzentriert zuhören kann.“ Im Vorfeld wurden die Erzieherinnen in der sogenannten „Kidzel“-Fortbildung (Kindern Demenz erklären) geschult, Kinder mit dem Alter zu konfrontieren und sie schonend auf das Thema vorzubereiten.

Die jungen Menschen stellen sich darauf ein: Sie rutschen näher ran, wenn ihr Gegenüber schlecht hört. Sie seien ruhiger und ausgeglichener geworden, gegenüber den Älteren sehr hilfsbereit. Die Heimbewohner haben Spaß daran, sich mit den Kindern zu beschäftigen. Gemeinsam wird unter familiären Bedingungen geübt, was für den Zusammenhalt der Gesellschaft wichtig ist: Fürsorge, Verantwortung und Bindung. Es sei ein weit verbreitetes Vorurtei

l, dass Senioren stets Ruhe wünschten, sagt Rühmann. Lärm durch Jungen und Mädchen störe niemanden. Und so freuen sich alle Seniorinnen und Senioren der Wohngruppe sechs schon heute darauf, dass es wieder heißt: „Die Kinder kommen“.

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