Motorräder für Individualisten
Bild: S. Austrup
Eigenbau von (v.l.) Hans-Werner Dieckmann und Pero Jovanovski: Die CB 750 Boldor 1981 hat trotz neuster Technik nichts vom Charme klassischer Motorradzeiten verloren.
Bild: S. Austrup

Angefangen mit diesem exklusiven Hobby hat Dieckmann bereits im zarten Alter von zwölf Jahren. Da hat er begonnen, an seinem ersten Zweirad zu schrauben.

„Das Geschoss war mehr oder weniger ein Scheunenfund“, so erzählt Dieckmann im Gespräch mit der „Glocke“.

So manches Wochenende hat er damals investiert, und als er den Motor zum ersten Mal startete, fuhr das Bike rückwärts. Dieckmann prallte verdutzt gegen eine Wand. Von da an wusste er, es gibt noch viel zu lernen, und Motorräder wurden seine Leidenschaft.

Mit 15 Jahren kaufte Hans-Werner Dieckmann sich eine 50-Kubikzentimeter-Kreidler und baute sie gemeinsam mit Freund Werner Laumann zu einem Motorcross-Motorrad um. „Das war unser erstes, komplett in Eigenregie hergestelltes Bike. Natürlich nur für uns und noch nicht ansatzweise professionell“, erinnert sich der Biker. Gemeinsam mit Laumann machte der Sassenberger dann die Äcker der Nachbarn unsicher.

Klar, dass sein Berufswunsch Motorradhändler war, was er seit mehr als 30 Jahren ist. Im Jahr 2000 erinnerte sich der Geschäftsmann dann an seine Schrauberfertigkeiten, als der erste Auftrag für den komplett professionellen Eigenbau eines Gütersloher Kunden kam. „Geld darf bei so einem Projekt keine Rolle spielen“, erklärt Dieckmann. Immer mehr Kunden wünschten heutzutage etwas Besonderes.

Die Wirtschaft mache es vor: Selbst zusammengestellte Schokolade, die Champagnerflasche mit eigenem Namen oder der personalisierte Fressnapf für den Hund – all das gibt es mittlerweile. „Wenn Konsumenten etwas Besonderes suchen, möchten sie keine Massenprodukte mehr. Was heute zählt, sind individuelle Einzelanfertigungen“, ist sich Dieckmann sicher.

In einer der größten deutschen Motorradzeitschriften wurde der erste professionelle Eigenbau, die „Dieckmann CBX“, schon vorgestellt. Kunden dieser Motorräder genießen diese Exklusivität meist schweigend und stellen ihr Bike auch schon mal ins Wohnzimmer.

„Nur selten werden solche Maschinen gefahren, obwohl sie eine Straßenzulassung besitzen. Dazu sind sie zu wertvoll. Sie nur anzuschauen und die Ästhetik zu genießen, ist für viele das Schönste“, so Hans-Werner Dieckmann. Wenn ein Kunde den Laden an der Porschestraße betritt und ein eigenes Motorrad entwerfen möchte, beginnt das meist mit einem Foto. Irgendwo hat man mal ein Bike gesehen, und mit der persönlichen Note versehen soll es dann der perfekte Eigenbau werden.

„Bis zur Fertigstellung vergehen gut und gerne zwei Jahre, und es sind unzählige Absprachen mit den Kunden sowie anderen Unternehmen, die zum Beispiel die Auspuffanlage oder den Motor überarbeiten, nötig“, so Dieckmann. Unerlässlich sind aber auch das eigene Vorstellungsvermögen und die Freude, es umzusetzen. Alles entsteht zuerst im Kopf. Mit dem Wunsch des Kunden und eigenen Ideen entsteht das Zweirad dann so, wie es sich der künftige Besitzer vorstellt.

Gearbeitet wird meist in den Wintermonaten, denn während der eigentlichen Motorradsaison gibt es auch so schon genug zu tun. „Es ist ein Traum, den ich mir erfüllt habe und an Kunden weitergebe“, bilanziert Dieckmann.

 Falls es die Zukunft zulasse, wolle er sich in einigen Jahren voll und ganz dem Eigenbau von Motorrädern widmen.

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