Treue ist das Geheimnis des Taubensports
Bild: D. Reimann
Nur wer über ausreichend Platz verfügt, kann Tauben züchten. Im Bild der zwölf mal zwei Meter umfassende Taubenschlag von Georg Schulze-Wienker.
Bild: D. Reimann

Auch Gustav Schulze-Wienker vom Taubenzuchtverein „Derby“ Füchtorf, hatte seinen Taubenschlag geöffnet und bot der Öffentlichkeit Einblicke in sein Hobby, das er mehr als 50 Jahre ausübt. Ein Schulkollege habe ihn als Jugendlicher animiert, sich näher mit Tauben zu befassen, erzählt er. Es faszinierte ihn zu sehen, wie die Tiere wieder in ihren Schlag zurückfanden, selbst wenn sie 600 Kilometer entfernt aufgelassen wurden.

 Auch seine Tauben legen diese Distanzen bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 90 Stundenkilometern zurück, finden problemlos den Weg in ihren Füchtorfer Heimatschlag. „Manche sagen es liege an den Erdmagnetfeldern, andere meinen, es habe etwas mit Sonnenenergie zu tun“, sagt Schulze-Wienker.

Auch für Paul Wilming und Stefan Kleine-Wächter ist die Ankunft stets ein besonderer Moment. „Sie kommen adlergleich an“, beschreibt Wilming die Rückkehr. Dass sich die Tauben auf ihren Schlag freuten, habe handfeste Gründe: Sie wollen zu ihrem Partner zurück. Vor den Wertungsflügen werden die Tauben eine Woche getrennt gehalten, da wächst die Sehnsucht. Anders als bei vielen Menschen bleiben sich Tauben ein Leben lang treu. Auch Brut und Futtersuche werden partnerschaftlich erledigt. Diese und andere interessante Informationen hielt der Züchter für die Besucher bereit.

Auch Jungtiere konnte er präsentieren und jüngeren Gästen die Möglichkeit geben, über den Flaum der zehn Tage alten Tauben zu streichen. 100 Tiere sind es derzeit, die Georg Schulze-Wienker in seinem zwölf Meter langen und zwei Meter breiten Schlag hält. Viel Platz allein reicht aber nicht aus, wenn man erfolgreich sein will. „Man muss die Tiere lieben und Ruhe ausstrahlen“, weiß Schulze-Wienker. Und billig sei das Hobby auch nicht. Futter- und Tierarztkosten und vor allem die Reisekosten wollen finanziert werden. Schulze-Wienker und seine Vereinskameraden, die in der Reisevereinigung Versmold organisiert sind, bedauern, dass sich so wenig junge Leute für ihr Hobby interessieren.

„Mit 65 und 68 Jahren sind wir die Jüngsten im Verein“, so der Füchtorfer. Andernorts liege das Durchschnittsalter gar bei 80 Jahren und mehr. Dem Taubenzuchtverband ist diese Entwicklung nicht entgangen. Daher wird versucht, mit Aktionen, wie dem „Tag der Brieftaube“, für dieses Hobby zu werben. „Es wäre schön, wenn wir ein paar Jüngere für den Taubensport begeistern könnten“, gibt Schulze-Wienker seiner Hoffnung Ausdruck. Er weiß allerdings auch, dass die Erfolgsaussichten dabei nicht allzu rosig sind. Schließlich liegen die Boomzeiten – die 1960er- und 1970er- Jahre – lange zurück.

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