Alles dreht sich um den Spinkolaus
Bild: Schneider
 Klein und bunt, aber nicht ohne: Der Spinkolaus von Willi Haubrock entwickelte mit seiner Metallspitze zerstörerische Kraft, wenn er auf einen anderen Kreisel herabsauste.
Bild: Schneider

Willi Haubrock war einer von denen, die damals mit zwei der bis zu zehn Zentimeter breiten Holzkreisel im Tornister aus den Bauerschaften zur Volksschule in Albersloh trabten. „Das gehörte zur Standardausrüstung“, erinnert er sich. Denn in den Bauerschaften rund um das Ludgerusdorf ließen Jungen den Spinkolaus ganz besonders gerne tanzen. Die Kinder aus dem Ortskern machten zwar mit, aber die wahre Kreisel-Leidenschaft brannte eher auf den umliegenden Bauernhöfen und auf dem Schulhof.

Und wie ging das nun mit dem Spinkolaus? Willi Haubrock kann es nicht nur lebhaft erzählen, er kann es auch vormachen. Er hat nämlich noch einen Spinkolaus. Der Kreisel ist bunt bemalt und hat eine metallene Spitze, die so genannte „Grille“. Haubrock wickelt gekonnt eine Kordel um den bauchigen Kreisel, holt aus, reißt an der Kordel – der Kreisel kriegt dadurch noch in der Luft den richtigen Dreh und surrt auf dem Pflaster vor Haubrocks Haus dahin.

Ziel war es, den Kreisel des Gegners zu zerstören

Aber diese Kreisel-Kunst ist beim Spiel mit dem Spinkolaus erst die halbe Miete. Dazu gehörten nämlich noch die Mitspieler, von denen auch jeder einen Kreisel bereithielt. Die fünf- bis sechsköpfige Gruppe bildete einen weiten Kreis. Dann musste einer „vorsetzen“, also seinen Spinkolaus in den Kreis schnellen lassen. Nun begannen die Mitspieler ein zerstörerisches Treiben: Mit ihren Kreiseln versuchten sie, den Spinkolaus des ersten Spielers so zu treffen, dass der in Stücke sprang. Wer das schaffte, der musste in der nächsten Runde „vorsetzen“. Geschicklichkeit, Tempo und Taktik waren gefragt. Gegen die zerstörerische Kraft der gegnerischen „Grillen“ hatten die Kombattanten ihre bunt bemalten Kreisel am oberen Rand noch mit Heftzwecken „gepanzert“.

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