Architekten können jetzt loslegen
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Jetzt sind Ideen geplant, wie das gewünschte Erweiterungsvorhaben umgesetzt werden kann.
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Als Christel Hille, Leiterin der Kardinal-von-Galen-Grundschule, am Donnerstagabend die Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses verließ, schien unter ihrer Maske ein wenig Erleichterung hervorzublitzen. Gerade hatte der Ausschuss den Planungen für einen nicht offenen Architekten-Wettbewerb zur Erweiterung der Grundschule zugestimmt. Aber es war haarscharf. Denn als Josef Strohbücker (FDP) – für alle Beteiligten wie aus heiterem Himmel – Beratungsbedarf anmeldete, hätte sich der ganze Prozess auch noch wieder mit weitreichenden Konsequenzen verzögern können.

Das Wörtchen „Beratungsbedarf“ hat nach den in der Sendenhorster Kommunalpolitik verabredeten Spielregeln eigentlich die Folge, dass der Fraktion, die diesen anmeldet, Zeit zu weiteren Beratungen eingeräumt und der Tagesordnungspunkt vertagt wird. Doch in diesem Fall wollten CDU und SPD keine weitere Zeit verlieren. Die Raumnot in der Schule müsse dringend, und durch gesetzliche Vorgabe eingefordert, gelöst werden, führten die Sprecher beider Parteien aus. Nach mehr als einem Jahr Arbeit an dem Wettbewerb mit politischem Auftrag sei alles geklärt. Sie lehnten den Antrag ab.

Ausgelöst hatte diese Diskussion abseits des eigentlichen Themas „Wettbewerbsauslobung“ eine Anmerkung von CDU-Sprecher Stefan Knoll, der anregte, darüber nachzudenken, ob Sendenhorst in Zukunft nicht einen zweiten Grundschulstandort benötige. Es sollte eine in die Zukunft gerichtete strategische Überlegung sein. So wurde sie auch von Verwaltung, SPD und BfA gespiegelt und als durchaus erwägenswert quittiert.

Für Josef Strohbücker war der Gedanke an einen zweiten Standort allerdings eine neue Erkenntnis, die er erst mit seinen Fraktionskollegen besprechen müsse, bevor er über eine Wettbewerbsauslobung entscheiden könne.

Dass die Zukunftsplanungen über den Schulstandort Sendenhorst nichts mit dem am Donnerstag zu treffenden Beschluss zu tun habe, unterstrich Bürgermeisterin Katrin Reuscher in der Diskussion. Die vorhandene Grundschule müsse jetzt fit gemacht werden. Und Bauamtsleiter Daniel Fühner führte aus, dass der von der Politik in Auftrag gegebene Prozess soweit fortgeschritten sei, dass es fatale Konsequenzen für die finanzielle Förderfähigkeit und die organisatorischen Abläufe habe, wenn es kein grünes Licht aus dem Ausschuss geben würde. „Wir haben hier eine Zwangslage. Auf eine zweiten Standort können wir nicht warten“, unterstrich Fühner, wie dringend es sei, das Raumproblem zu lösen.

Ob es nun daran lag, dass die Corona-Pandemie im vergangenen Jahr das öffentliche Leben irgendwie lähmte oder daran, dass lange konkrete übergeordnete Verwaltungsregelungen fehlten, sei‘s drum. Nach einem guten Jahr gehen die Planungen für die Erweiterung der Kardinal-von-Galen-Grundschule nun in die nächste öffentliche Phase.

Im Hintergrund haben in den vergangenen Monaten – auch im Rahmen einer Arbeitsgruppe, zu der das Planungsbüro Scheuvens Wachten Plus, Vertreterinnen des Lehrerkollegiums sowie aus der Verwaltung der Dienstbereiche Schule sowie Bauen und Planen angehörten – Gespräche stattgefunden, die die Auslobung eines Wettbewerbes voranbrachten. Mit diesem Wettbewerb beschäftigte sich der Stadtentwicklungsausschuss am Donnerstagabend.

Ende Januar war in der Verwaltung die „Förderrichtlinie zum beschleunigten Infrastrukturausbau der Ganztagsbetreuung“ eingegangen, wurde dem Ausschuss berichtet. Demnach steht der Stadt Sendenhorst als Schulträger für das Jahr 2021 ein Förderbudget in Höhe von 142 000 Euro zur Verfügung.

„Eine leistungsfähige und gut aufgestellte Schule ist wichtig, um den Bildungs- und Erziehungsauftrag sachgerecht erfüllen zu können. Weiterhin stellt der Offene Ganztag wie auch der ab 2025 bestehende Rechtsanspruch auf einen Ganztagsbetreuung an Grundschulen einen wichtigen Baustein im Rahmen der Vereinbarkeit von Familie und Beruf dar“, lautet die Ausgangslage für den Beschluss, die Planungen voranzubringen.

Im Rahmen des Wettbewerbs wird die nachhaltige und Ressourcen schonende Bauweise ein Kriterium für die Auswahl des Entwurfes sein, ist den Unterlagen zu entnehmen. Um den Flächenverbrauch möglichst niedrig zu halten, soll der Neubau zweigeschossig plus Staffelgeschoss ausgeführt werden. Das Dach soll für Photovoltaikanlagen genutzt werden können. Im neuen Bauteil IV, der in dem nun geplanten ersten Bauabschnitt realisiert werden soll, ist auch der Einbau eines Aufzuges geplant, der auch den vorhandenen Bauteil III barrierefrei erschließen soll.

von Annette Metz

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