„Der freie Markt wird es richten“
Dietmar Jeschke
Die Beteiligung an der geplanten Klärschlammverbrennungsanlage in Buchenhof bei Wuppertal ist vom Tisch. Wo der hier zu sehende städtische Klärrückstand aber in den kommenden Jahrzehnten entsorgt wird, ist nach wie vor offen.
Dietmar Jeschke

Eigentlich war zum Thema bereits alles gesagt. Sang- und klanglos sollte das Projekt „Klärschlammverwertung Buchenhofen“ in der Ratssitzung am Montagabend aber dennoch nicht zu den Akten gelegt werden. Trotz der von Bürgermeister Carsten Grawunder coronabedingt verordneten Redekürze versuchte vor allem die SPD, das im Betriebsausschuss mit Mehrheit von CDU und FDP abgebügelte Projekt doch noch einmal auf Kurs zu bringen. Das allerdings erneut vergeblich.

Wie berichtet, machen gesetzliche Änderungen die Beseitigung des in den kommunalen Klärwerken zurückbleibenden Schlammes in Zukunft deutlich aufwendiger. Ein Ziel ist es dabei, den wertvollen – und in natürlichen Vorkommen endlichen – Phosphor zurückzugewinnen. Entsprechende Anlagen dazu befinden sich aber erst vereinzelt in Planung. Unter anderem eben in Buchenhofen bei Wuppertal, wo eine rheinische Städtegemeinschaft sowie die Stadt Münster den Bau einer geschätzt 60 Millionen Euro teuren Klärschlammverbrennungsanlage planen. Und daran, so der Vorschlag der Verwaltung, sollte sich die Stadt Drensteinfurt beteiligen – und zwar in Höhe von 0,625 Prozent, was dem Aufkommen des städtischen Klärschlammes an der zu verbrennenden Gesamtmenge entsprechen würde. Ein, so Bürgermeister Carsten Grawunder, „gut ausgewogener Beschluss“ mit dem man einen „verlässlichen Weg gefunden hätte“. CDU und FDP sehen das allerdings anders. „Das betriebswirtschaftliche Risiko halte ich für nicht notwendig“, erklärte Ratsmitglied Burkhard Wieland (FDP) mit Blick auf die Tatsache, dass es aktuell überhaupt noch keine finale Kostenschätzung gibt und auch mögliche Folgekosten in der städtischen Kalkulation nicht berücksichtigt sind.

Das man bei einem Nichteinstieg in das Projekt, wie von der Verwaltung ins Feld geführt, künftig auf dem eigenen Klärschlamm sitzen bleiben könnte, sieht die CDU nicht. Der Markt, so Fraktionsvorsitzender Markus Wiewel, werde in den kommenden Jahren reagieren. Ein Einstieg in das Buchenhofen-Projekt wäre zudem mit einer jahrzehntelangen Bindung verbunden, was einen flexiblen Wechsel des Entsorgungspartners langfristig ausschließen würde. „Ich glaube, wir werden keine großen Probleme bekommen. Der freie Markt wird es richten“, zeigte sich Wiewel optimistisch.

Das sieht Bürgermeister Carsten Grawunder ein wenig anders. „Wir sind kein attraktiver Player auf dem Markt für Klärschlammentsorgung“, betonte der Verwaltungschef mit Blick auf die vergleichsweise geringe Menge, die in einer Kleinstadt wie Drensteinfurt anfällt. „Und wir werden mit den Ohren schlackern, wenn letztendlich die Preise auf dem Tisch liegen.“

Ähnlich sieht es die SPD. „Wir geben die Sicherheit weg“, sagte Ratsmitglied Rainer Hoffstedde, der zugleich Vorsitzender des zuständigen Betriebsausschusses für das Abwasserwerk ist. Zudem, so Hoffstedde, seien viele Argumente, die die CDU gegen das Projekt ins Feld geführt habe, schlicht und ergreifend „nicht da“. So müsse etwa auch die Abfallwirtschaftsgesellschaft des Kreises Warendorf, mit der die Union gerne weiter kooperieren möchte, den Klärschlamm künftig mittels Lkw zur Verbrennungsanlage „X“ oder „Y“ transportieren. Und was die Art der Entsorgung betreffe, so sei die Verbrennungslösung aktuell noch „State of the Art“. Unterstützung gab es dafür von den Grünen. Wie Ratsherr Stefan Gengenbacher betonte, bekomme man für die Investition in Buchenhofen auch einen realen Gegenwert. Zudem binde man sich auch bei einer anderen, noch zu findenden Lösung schnell über einen Zeitraum von zehn bis 15 Jahren.

Der Appell Rainer Hoffsteddes, doch noch dem Vorschlag der Verwaltung zu folgen und für das Beteiligungsprojekt zu stimmen, scheiterte am Ende wie schon im Fachausschuss an CDU und FDP.

von Dietmar Jeschke

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