„Die Arbeit ist ja nicht weg“
-sibe-
Mit Spannung und in gehörigem Abstand verfolgten die
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Eine Überraschung bei der Wahl zum Stadtoberhaupt? Die blieb am Sonntag aus. Denn der alte Amtsinhaber ist zugleich auch der neue Bürgermeister: . Seine Herausforderin von den Grünen, Heidi Pechmann, erhielt dagegen nur 17,5 Prozent der Stimmen.

„Ich bin überwältigt von dem Ergebnis. So klar hatte ich das nicht erwartet, aber das ist eine schöne Bestätigung der letzten Jahre, dass meine Arbeit auch anerkannt wird“, freute sich Grawunder nach der Bekanntgabe des Ergebnisses im Wahlstudio, das die Verwaltung unter Coronabedingungen und für nur 70 Teilnehmer im Forum der Teamschule eingerichtet hatte.

Das Stadtoberhaupt konnte den Wahlabend relativ gelassen verfolgen, deutete sich doch bereits mit der Verkündung des ersten Ergebnisses aus dem Wahlkreis fünf um 19.34 Uhr an, in welche Richtung es gehen sollte. Grawunder verbuchte dort 90,2 Prozent der Stimmen für sich. Pechmann kam nur auf 9,8 Prozent. Deutlich war ebenfalls bereits der Zwischenstand nach der Auszählung von acht der insgesamt 16 Wahlkreisen um 20.12 Uhr, als auf den Amtsinhaber 83,82 Prozent der Stimmen entfielen.

Bis dann alle Bezirke ausgezählt waren, dauerte es aufgrund einiger Probleme länger als gewohnt. Um kurz nach 22 Uhr war es dann aber offiziell – und Grawunder durfte gemeinsam mit seiner Familie jubeln. „Heute Abend wird gefeiert. Morgen bin ich dann voraussichtlich etwas später im Büro“, erklärte er gut gelaunt. „Dann geht es aber sofort weiter. Die Arbeit ist ja nicht weg.“ Das Stadtoberhaupt kündigte zudem an, in gleicher Form weitermachen zu wollen. „Das erwartet man von mir – und das ist auch meine feste Absicht. Die Arbeit macht Spaß. Und mit dem starken Rückenwind wahrscheinlich jetzt noch mehr“, bemerkte er.

Als faire Verliererin zeigte sich unterdessen seine Herausforderin Heidi Pechmann, die dem Amtsinhaber nach der Bekanntgabe des Ergebnisses gratulierte. Keinen Hehl machte sie aus ihrer Enttäuschung über ihr Ergebnis. „Ehrlich gesagt, habe ich schon mit 20 oder 25 Prozent gerechnet. Das war mein persönliches Ziel. Leider sind wir augenscheinlich mit unseren Wahlthemen nicht bis zu den Bürgern durchgedrungen.“

Die umliegenden Kreise hätten erkannt, wie wichtig grüne Politik sei. Die Drensteinfurter anscheinend noch nicht, so die Spitzenkandidatin weiter. Unterkriegen lassen möchte sich Pechmann, die wahrscheinlich den Fraktionsvorsitz übernehmen wird, davon aber nicht. „Wir werden zielstrebig weitermachen und wollen grüne Themen vorantreiben“, sagte sie.

Unzufrieden war die Grünen-Politikerin zudem über das Ergebnis der Ratswahl. Dabei holte die CDU mit 50,86 Prozent der Stimmen (2014: 48,9 Prozent) die absolute Mehrheit. Spannender war dagegen das Rennen um die zweitstärkste Fraktion. Hier hatten die Grünen mit 20,28 Prozent (plus 0,04 Prozent) am Ende leicht die Nase vor der SPD mit 18,73 Prozent (minus vier Prozent). Die FDP verbesserte sich um 1,61 Prozent auf 8,24 Prozent der Stimmen. Manfred Kraft kam als Einzelbewerber auf 1,86 Prozent der Stimmen. Er verpasste mit 29,8 Prozent der Stimmen im Wahlkreis vier zwar das Direktmandat, platzierte sich aber hinter Jonas Volkmar von der CDU (34,4 Prozent) als zweitstärkster Vertreter in seinem Bezirk.

Großer Jubel brach bei der privat organisierten Wahlparty der CDU aus, als Wahlleiter Jan Schwering im Livestream die Ergebnisse der Ratswahl vortrug und die absolute Mehrheit in trockenen Tüchern war. „Wir sind natürlich super zufrieden mit dem Ergebnis“, gab Markus Wiewel, der designierte Fraktionsvorsitzende der CDU, wenig später im Wahlstudio sein Statement ab. „Wir haben einen engagierten Wahlkampf geführt und ein gutes Team gehabt, das sich stark eingesetzt hat. Das hat sich am Ende ausgezahlt“, war er sich sicher. „Auch mit den 17 Ratssitzen, die wir wahrscheinlich bekommen, können wir sehr zufrieden sein.“

Strahlende Gesichter gab es ebenfalls bei der FDP. „Der Wahlkampf war mühselig, hat sich aber ausgezahlt. Uns wurde nachgesagt, dass wir nicht groß aufgetreten wären, und jetzt haben wir sogar ein Pünktchen mehr geholt und einen Sitz mehr bekommen“, freute sich Sonja Berstermann-Kowalke. Ihr ungutes Gefühl zum Ausgang der Wahl, das sie noch wenige Stunden zuvor gehabt hatte, bestätigte sich demnach nicht. Ebenso lobte die Fraktionsvorsitzende der FDP das Engagement ihres Teams: „Wir hatten eine ganz tolle Truppe, waren nicht zerstritten und haben an einem Strang gezogen. Das hat uns ausgezeichnet.“

Heidi Pechmann und ihre Mitstreiter zeigten sich hingegen wenig begeistert über die absolute Mehrheit der CDU. „Ich finde es schade, dass Drensteinfurt womöglich jetzt nur von der CDU verwaltet wird. Schauen wir mal, wie die nächsten fünf Jahre laufen und ob wir bei dieser Zusammensetzung im Rat noch grüne Themen setzen können“, so Pechmann.

SPD-Fraktionsvorsitzender Ingo Stude hätte sich ebenfalls gewünscht, dass es für die CDU keine absolute Mehrheit gegeben hätte. „Das ist sehr schade für den Rat, weil es schwierig wird, mit unserem Vorhaben des gemeinsamen Gestaltens durchzukommen, wenn eine Partei wieder alles bestimmen kann“, sagte er. „Wir werden aber engagiert weitermachen und versuchen, die CDU vor uns herzutreiben und zu fordern“, versprach er. „In fünf Jahren wollen wir die absolute Mehrheit wie in 2014 wieder brechen.“

Mit dem zurückliegenden Wahlkampf sei er im Übrigen sehr zufrieden. „Das war der beste Wahlkampf, den wir hier je gemacht haben. Wir waren hochmotiviert und hatten viele neue Leute dabei“, blickte Ingo Studo zurück. Es sei zwar ein schwieriges Umfeld gewesen, weil „Grün“ im Moment im Aufwind sei. Doch dafür hätten sich die Sozialdemokraten „gut behauptet“. Die Mitglieder der Grünen beglückwünschte er dazu, nun die zweitstärkste Fraktion im Rat stellen zu dürfen.

von Simon Beckmann

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