Drensteinfurt wappnet sich gegen Coronavirus
Zum Schutz vor einer möglichen weiteren Verbreitung des Coronavirus verschärft die Verwaltung ab sofort die Desinfektionsmaßnahmen in allen allen öffentlichen Räumen

Entwickelt sich der Coronavirus zu einer Pandemie? Wie lässt sich die Verbreitung stoppen? Und vor allem, wie kann sich jeder persönlich schützen? Fragen, die mit der scheinbar ungebremsten Verbreitung des Erregers auch langsam aber sicher vor Ort in den Fokus rücken. Nach einem entsprechenden Antrag der CDU-Fraktion bezieht nun Bürgermeister Carsten Grawunder in einem offenen Brief Stellung dazu, wie sich die Stadt gegen das Virus wappnet.

„Sämtliche städtische Gebäude werden von uns mit zusätzlichen Desinfektionsmittelspendern an den Eingangsbereichen ausgestattet. Zusätzlich werden Hinweistafeln angebracht, wie ein effektives Desinfizieren zu erfolgen hat, damit es seine Wirkung entfaltet“, erklärt Grawunder.

Unklar war bis zum Wochenende noch, ob die entsprechenden Desinfektionsmittel auch in den örtlichen Schulen zum Einsatz kommen sollen. Die Sorge der Verwaltung bezüglich der erhöhten Brandgefahr – die Mittel gelten als hoch entzündlich – teilten zumindest die Schulleiterinnen Anja Sachsenhausen (Teamschule) und Birgitta von Rosenstiel (Lambertusschule) nicht.

Fest steht dagegen, dass auch die Sportanlagen mit entsprechenden Spendern versehen werden sollen. Zudem, erklärt der Bürgermeister, werden die Mitarbeiter in publikumsintensiven Bereichen der Verwaltung Desinfektionstücher erhalten und gebeten, die von Bürgern genutzten Dinge wie Kugelschreiber oder Fingerabdruckscanner regelmäßig zu desinfizieren. „Alle benötigten Materialien sind bereits bestellt“, erklärt Grawunder. „Den Tageseinrichtungen für Kindern, die alle nicht in städtischer Trägerschaft sind, können wir auf dortigen Wunsch entsprechend helfen. Allerdings muss von dort die Gefährdungsbeurteilung erfolgen.“

Darüber hinaus will die Stadt für bestimmte Arbeitsbereiche Mundschutzmasken bestellen. Das Problem: „Die geeigneten Masken der Schutzklasse FFP3, die eventuell etwas bringen, sind aktuell kaum zu beschaffen“, schildert der Bürgermeister. Damit aber nicht genug, sei der Preis für die entsprechenden Masken jedoch von bislang 1,22 Euro auf zwölf Euro pro Stück gestiegen.

„Daneben werde ich Verhaltensregeln für die Mitarbeiter erlassen, und die Reinigungskräfte werden angewiesen, besondere Bereiche, die häufig mit den Händen benutzt werden intensiver zu reinigen. Hier wird geprüft, ob das bisher verwendete Reinigungsmittel bereits ausreichend Viren beseitigt oder ob es eines Austausches Bedarf“, so der Bürgermeister. „Über die ergriffenen Maßnahmen werde ich selbstverständlich den Rat, die Ausschüsse und auch die Bevölkerung informieren.

Dass Hygienemaßnahmen sinnvoll sind, unterstreicht Thomas Haddenhorst, Vorsitzender der Bezirksgruppe Warendorf im Apothekerverband Westfalen-Lippe. „Die allgemeinen Hygieneregeln schützen auch in diesem Fall“, so Haddenhorst. „Hände häufig waschen und zwar mindestens 20 Sekunden. Dabei zwei Mal das Lied ,Happy Birthday‘ summen, das entspricht dieser Dauer.“

Nach dem Waschen sollten die Hände gründlich abtrocknen und regelmäßig desinfiziert werden – vor allem nach engerem Kontakt mit anderen Menschen. „Die Apothekenteams können geeignete Desinfektions-Mittel empfehlen, die Viren auch wirklich bekämpfen“, sagt Haddenhorst, der zudem empfiehlt, beim Niesen oder Husten möglichst Abstand zu anderen Menschen zu halten. Einen Mund-Nasen-Schutz zu kaufen, wie man ihn aus Operationssälen kenne, sei hingegen nicht sinnvoll, betont Thomas Haddenhorst. Der tauge lediglich dafür, dass eine bereits infizierte Person andere nicht durch Tröpfchen, die beim Husten oder Niesen entstehen anstecke. Er schütze aber nicht davor, sich selbst zu infizieren. Zu diesem Zweck gebe es Atemschutzmasken, die jedoch dazu bestimmt seien, medizinisches Personal beim Umgang mit erkrankten Patienten vor Infektionen zu bewahren. Diese Masken könnten allerdings das Atmen erschweren und seien deshalb nicht alltagstauglich.

Dass die Einkaufspreise für Masken derzeit aufgrund der hohen Nachfrage explodiert sind, ärgert die Apotheker in Westfalen-Lippe. „Das zeigt, dass die Gesundheitsversorgung der Bürger nicht uneingeschränkt den Gesetzen des freien Marktes und Preiswettbewerbs unterworfen werden darf“, schildert Dr. Klaus Michels, Vorstandsvorsitzender des Apothekerverbandes Westfalen-Lippe. Aus diesem Grund, fordert Michels, müsse „der Gesetzgeber für alle Versicherten gleichermaßen die uneingeschränkte Preisbindung für verschreibungspflichtige Arzneimittel rechtssicher wiederherstellen“.

Immer mehr neue Fälle und Nachrichten rund um das Coronavirus - auch in Deutschland. Jüngst würde ein Hotel auf Teneriffa wegen Corona-Virus Verdacht unter Quarantäne gestellt - unter den Urlaubern waren auch mehrere Westfalen. Doch woran erkenne ich eine Infektion? Und was mache ich dann?

Die Symptome sind laut Robert-Koch-Institut Husten, Schnupfen, Halskratzen und und Fieber, manchmal auch Durchfall. Damit ist es für Laien unmöglich, die Krankheit von der regulären Grippe oder einem grippalen Infekt zu unterscheiden, erklärt Oliver Witzke, Direktor der Klinik für Infektiologie der Universitätsmedizin Essen. 

  • Ansteckungsgefahr: Die Gefahr, sich in Deutschland mit Grippe- und Erkältungsviren anzustecken, ist nach wie vor ungleich höher als eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus.
  • Besondere Verhaltensregeln gelten daher nur für folgende Menschengruppen: Menschen, die Kontakt zu einer Person hatten, die mit dem Virus infiziert ist. Menschen, die sich in einem der vom definierten aufgehalten haben. Oder Menschen, die in einem Gebiet unterwegs waren, in dem Fälle von Covid-19 aufgetreten sind.
  • Was tun, wenn eine oder alle Faktoren zutreffen? Wer Kontakt zu Infizierten hatte, sollte sich unabhängig vom Auftreten von Symptomen bei seinem melden. Gleiches gilt für Reisende aus Risikogebieten, bei denen Symptome auftreten. 
  • Alle anderen wenden sich an das Amt oder ihren Hausarzt, der bei Verdacht auf Sars-CoV-2 eine Laboruntersuchung veranlassen kann.
  • Wichtig: Betroffene sollten vor dem Gang in die Praxis unbedingt dort anrufen. Dieses Vorgehen empfiehlt Witzke - wenn möglich - auch bei einem Verdacht auf Grippe. Denn auch da ist die Gefahr groß, andere Patienten im Wartezimmer anzustecken.
  • Vorbeugen: Wer einen begründeten Verdacht hat, mit Sars-CoV-2 infiziert zu sein, sollte unnötige Kontakte meiden und zu Hause bleiben - wie auch bei der Grippe. Wichtig außerdem, und zwar für alle: Gute Handhygiene, also regelmäßiges Waschen mit Seife, ein bis zwei Meter Sicherheitsabstand von kranken Menschen, sowie richtiges Husten und Niesen - in die Armbeuge also.
  • Atemmasken sind für gesunde Menschen nicht nötig. Und auch ständiges Desinfizieren der Hände ist laut Witzke überflüssig.
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