Freie Fahrt in Richtung Ahlen
Dietmar Jeschke
Am Hof Nettebrock trafen sich die Vertreter von Stadt, Planungsbüro, Baufirma und Bürgerradwegverein zum symbolischen ersten Spatenstich. Läuft alles glatt, soll das Radwegteilstück in Richtung Ahlen Ende März fertig sein.
Dietmar Jeschke

Wer an der Einfahrt zum Hof Nettebrock ein „Pläuschchen“ halten möchte, der muss schon dicht zusammenrücken. Oder aber – corona- und damit abstandsbedingt – ziemlich laut reden, während der nächste 40-Tonner auf der Landesstraße 671 vorbeidonnert. Und das quasi direkt vor der Haustür der Nettebrocks, denn einen Fuß- und Radweg gibt es bislang nicht. Das wird sich jedoch bald ändern. Am Donnerstagmittag trafen sich die Vertreter von Stadt, Planungsbüro und Baufirma sowie natürlich die Aktiven des Walstedder Bürgerradwegvereins zum symbolischen ersten Spatenstich zur Fortsetzung des Radwegprojekts „L 671“.

„Ich würde mein Kind hier sicherlich nicht an der Straße entlang fahren lassen“, machte Bürgermeister Carsten Grawunder unverhohlen klar, dass die Situation auf der viel befahrenen Landesstraße, die vor allem für Pendler und für den Güterverkehr eine gern genutzte Verbindung zwischen Ahlen, Hamm und der Autobahnanbindung in Bockum-Hövel ist, gerade für „Pedalritter“ seit Jahren mehr als grenzwertig ist. Dass dort nun ein weiterer Bürgerradweg entsteht, ist für Carsten Grawunder ein „schöner Beleg dafür, dass auf kommunaler Ebene eine ganze Menge passieren kann“. Auch, so der Bürgermeister weiter, wenn der Bau eines Radwegs eigentlich eine klare Landesangelegenheit ist. „Wir wissen jedoch, dass die Kapazitäten des Landes nicht reichen“, schilderte Grawunder. Und so ist es erneut an den Aktiven des Bürgerradwegvereins um Ortsvorsteher Bernd Borgmann, in die sprichwörtliche Bresche zu springen. So, wie sie es im Übrigen schon im vergangenen Jahrzehnt auf der anderen Seite der Bundesstraße 63 getan haben – angefangen mit dem ersten Radwegteilstück hin zur Abfahrt „Alten Walstedde“ bis schließlich zur etappenweisen Vollendung der Verbindung entlang der Landesstraße bis hin zum Merscher Bahnhof.

Nun steht in Richtung Ahlen ein weiteres, 1,9 Kilometer langes Teilstück auf dem Programm, das den Lückenschluss in Richtung Nachbarstadt beinahe komplett macht. „Dann fehlen auf Ahlener Gebiet nur noch ein etwa 300 Meter“, hofft Bernd Borgmann, dass die dort stockenden Grundstücksverhandlungen doch noch einmal in Gang kommen.

Apropos Grundstücke: „Wir danken allen Anliegern, die ihre Flächen zur Verfügung gestellt haben“, betonte Bernd Borgmann. „Denn das ist keine Selbstverständlichkeit. Hier werden landwirtschaftliche Flächen versiegelt und der Landwirtschaft entzogen.“ Das allerdings, so der Ortsvorsteher weiter, für einen notwendigen und überaus sinnvollen Zweck. „Auf dieser Strecke hat es schon wiederholt tödliche Unfälle geben.“

Dass es nach jahrelanger Planung erst jetzt etwas mit dem Bau des kombinierten Fuß- und Radwegs durch die Walstedder Dorfbauerschaft wird, ist vor allem den planungsrechtlichen Schwierigkeiten geschuldet, erklärte Bauamtsleiter Christoph Britten den Anwesenden. Da sich vor allem die Entwässerung in diesem Bereich als schwierig gestaltete, habe man in Abstimmung mit dem Landesbetrieb Straßen NRW nicht weniger als acht verschiedene Entwürfe aufstellen müssen. Die nun in Realisierung befindliche Variante biete nicht nur wassertechnische Vorteile. Im Zuge der Arbeiten werden nämlich auch sechs große Strommasten der RWE durch Erdkabel und entsprechende Hausanschlüsse ersetzt. Außerdem werden mit der Anlage der Radwegtrasse auch Glasfaserkabel verlegt, die das Hochgeschwindigkeitsinternet damit auch in die Bauerschaft bringen.

Kosten wird die ganze Maßnahme, die bei optimalem Verlauf Ende März abgeschlossen sein soll, rund 700 000 Euro. Nicht eingerechnet sind dabei die bereits geleisteten Arbeitsstunden, die etwa für die Herrichtung der Trassenführung notwendig waren. Den Löwenanteil der Summe (120 Euro pro laufendem Meter) trägt das Land. Den Rest übernehmen Stadt, Kreis und Sponsoren. Bernd Borgmann dankt diesbezüglich vor allem der Sparkasse, der Volksbank und dem Gesundheitszentrum Haus Walstedde, die ihre finanzielle Unterstützung zugesagt haben.

„Arbeitslos“ werden die Mitglieder des Radwegvereins übrigens wohl auch nach der Fertigstellung des aktuellen Teilstücks nicht sein. Denn wie Bürgermeister Carsten Grawunder am Donnerstag erklärte, gibt es seit längerem Stimmen, die sich eine Fortsetzung der Verbindung vom Merscher Bahnhof in Richtung Herbern wünschen.

von Dietmar Jeschke

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