Gasförderung nur im Einklag mit der Umwelt

Umstrittenes Verfahren: Beim Fracking wird das Gestein aufgebrochen, um das Erdgas zu gewinnen. Kritiker befürchten die Verseuchung des Grundwassers. Das Bild zeigt eine Probebohrung in Lünne (Landkreis Emsland).

Im Rahmen einer Podiumsdiskussion trafen erstmals im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung Vertreter der lokalen Bürgerinitiativen gegen die Gasförderung auf einen Spitzenbeamten der Landesregierung.

„Ja, es wurden Fehler gemacht“

Betont bürgernah und offen präsentiert sich die Landesregierung. „Ja, es wurden in der Vergangenheit Fehler gemacht“, räumte Horzetzky, Staatssekretär im Wirtschaftsministerium, unumwunden ein. Der Spitzenbeamte bezog sich damit auf das vielfach kritisierte Genehmigungsverfahren rund um die Förderung von Erdgas, das von den Bürgern als intransparent empfunden wird. „Wir haben Konsequenzen gezogen“, sagte der Beamte. Das Verfahren ruhe derzeit; ein Gutachten zur Umweltverträglichkeit der Gasförderung werde in diesen Tagen vergeben, wie Horzetzky betonte. Bis Ende des Jahres sollen die Ergebnisse feststehen.

Kritiker zweifeln Sinn der Förderung an

Stefan Henrichs, Sprecher der Interessengemeinschaft gegen Gasbohren aus Drensteinfurt, zweifelt den Sinn der Gasförderung im Münsterland grundsätzlich an: Verglichen mit den weltweiten Vorräten seien die heimischen Vorkommen verschwindend gering. Durch die Bohrungen entstünde zusätzlicher Lkw-Verkehr, Infrastruktur müsse aufgebaut werden und – wichtigster Punkt – das Grundwasser sei gefährdet.

„Es darf kein Risiko für Mensch und Umwelt entstehen“

„Das sehen wir doch genauso“, entgegnete Staatssekretär Horzetzky. Der Beamte versuchte sichtlich, die Menschen mitzunehmen: „Ich will eines ganz deutlich machen“, betonte er: „Es dürfen bei der Erdgasförderung keinerlei Risiken für Mensch und Umwelt entstehen.“ Die Landesregierung sehe jedoch auch die Chancen der Gasvorkommen in der Region. Nordrhein-Westfalen sei ein Industrieland, sagte der Staatssekretär: Die Nutzung eigener Energievorkommen könne Arbeitsplätze sichern und die Abhängigkeit von Energieimporten verringern.

„Wir stehen ganz am Anfang“

Horzetzky betonte weiter, dass er mit Prognosen über den Umfang der Gasvorkommen ganz vorsichtig sei. „Wir stehen ganz am Anfang“, sagte der Spitzenbeamte. „Vieles ist noch gar nicht klar“ – selbst die Grundfrage ob die Erdgasförderung wirklich wirtschaftlich sinnvoll ist, sei noch nicht geklärt. „Das wollen wir erforschen“, sagte Horzetzky, „dann können wir weitersehen.“

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