Glocken verstummen am Gründonnerstag
Die Glocken der Pfarrkirche St. Martin in Sendenhorst sind am Gründonnerstagabend verstummt. Erst in der Osternacht, beim Gloria in der Festmesse, wird ihr Klang wieder ertönen. 

Dann verstummten die Orgel und die Glocken für die folgenden Tage. Dieses Verstummen ist eine Urgebärde des Menschen. In jeder Lebensgeschichte gibt es Momente und Zeiten, in denen Menschen nicht mehr wissen, was sie denken oder sagen sollen. Es gibt die Momente, in denen man vielleicht noch still die Hand eines anderen Menschen hält oder ihn schweigend in den Arm nimmt, weil Worte versagen. Das seien die Zeiten, in denen man einfach nur noch schweigend für einen anderen Menschen da sein könne – die Momente, wo jedes Wort ein Wort zu viel sei, schreibt der Sendenhorster Pfarrer.

Ohne einladendes Geläut, ohne den vertrauten Klang des Stundenschlags vom Kirchturm und ohne die Unterstützung durch die vielen Stimmen der Orgel versammelt sich die Gemeinde, wenn sie sich an das Leiden am Ölberg erinnert, am Morgen des Karfreitags den Kreuzweg geht und betet und wenn die Gläubigen sich am Nachmittag um 15 Uhr zur Zeit der Todesstunde Jesu still in der leeren Kirche versammeln. Dieses Schweigen spannt sich auch über den Karsamstag hinweg, wo es zum Schweigen der Grabesruhe wird.

Erst in der Osternact gibt es im Laufe der Feier ein neues Erwachen. Wenn das Licht der Osterkerze den Kirchenraum erhellt hat und die Kraft dieses Lichtes besungen wurde, gehen die Erinnerungen der Gemeinde zunächst noch einmal zurück. So wie Trauernde sich an die Dinge erinnern, die sie seit den ersten Tagen mit einem Menschen verbinden, so geht die Liturgie diesen Weg nach, wenn sie an Gottes Taten und Versprechen im Ersten Bund erinnert. Nur im Vertrauen auf Gottes Macht und Gottes Wirken gibt es eine Hoffnung im Angesicht des Todes, dem die ganze Schöpfung ohne Gott geweiht ist. Gott allein ist der, der den Tod besiegen und die Welt neu erschaffen kann: Diesen Sieg besingt die Gemeinde in der Osternacht, wenn beim Gloria die Orgel und die Glocken neu ihren Klang entfalten und auf der Gesang der Gemeinde im Lied den preist, der den Gläubigen die Hoffnung schenkt, dass man Gott jenseits des Verstummens und des Todes neu findet.

Die Gemeinschaft mit Jesus Christus lässt die Christen einstimmen in den Lobpreis Gottes, wenn vor dem Evangelium das Halleluja neu erklingt, das seit dem Dienstag vor Aschermittwoch im Gottesdienst verschwunden war.

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