Kirche will Aufklärung des Missbrauchs
Stellten sich den Fragen der Drensteinfurter: (v. l.) Domvikar Dr. Jochen Reidegeld, Präventionsbeauftragte Ann-Kathrin Kahle und Weihbischof Dr. Stefan Zekorn mit Pfarrer Jörg Schlummer und Pfarreiratsvorsitzendem Hermann Schulte Huxel.

Mit Weihbischof Dr. Stefan Zekorn sowie der Präventionsbeauftragten des Bistums, Ann-Kathrin Kahle, war er in die Pfarrei St. Regina nach Drensteinfurt gekommen, um Stellung zu den Ergebnissen der Missbrauchsstudie der Deutschen Bischofskonferenz zu beziehen und die Vorgehensweise des Bistums zu erläutern. Das Interesse an der von dem Pfarreiratsvorsitzenden Hermann Schulte Huxel moderierten Veranstaltung war laut Pressemitteilung des Bistums groß.

Vertrauen verwandelt sich in Misstrauen

Viele wollten wissen, wie es zu den Missbrauchsfällen kommen konnte und wie Kinder und Jugendliche künftig geschützt werden. Domvikar Reidegeld sprach von einer „existenziellen Krise“ der Kirche: „Für viele Menschen hat sich der Vertrauensvorschuss in einen Misstrauensvorschuss verwandelt.“ Im Zentrum müsse nun der einzelne Betroffene stehen, durch dessen Leben sich der Missbrauch häufig „wie ein schwarzer Faden“ ziehe.

Viele Gespräche mit Opfern habe er bereits geführt – Gespräche, die ihn erschüttert und bewegt hätten: „Das, was ich dabei erlebe, begreife ich ganz persönlich als Auftrag, an der lückenlosen Aufklärung dieser Fälle mitzuwirken und für notwendige Konsequenzen in unserer Kirche einzustehen.“

Weihbischof: „Kirche steht in Verantwortung.“

Auch Weihbischof Zekorn lenkte den Blick auf die Betroffenen: „Ihr Leid ist unvorstellbar, und ich weiß, dass ich mir das nicht vorstellen kann.“ Schwer wiege der falsche Umgang mit Tätern: „So falsch, dass Kinder und Jugendliche zu Opfern geworden sind, die es nicht hätten werden müssen“, räumte er ein. Die Kirche stünde jetzt in der Verantwortung, Betroffenen Hilfe zukommen zu lassen, radikal aufzuklären und sexualisierte Gewalt möglichst zu verhindern.

Zusammenarbeit mit Behörden

„Dazu arbeiten wir transparent und offensiv mit Behörden, Wissenschaftlern und anderen Fachkräften zusammen.“ Erste Maßnahmen für vereinfachte Zugangswege für Betroffene erläuterte Domvikar Reidegeld. So habe das Bistum zwei Ansprechpartner eingesetzt, die bewusst keine kirchlichen Mitarbeiter seien. Sie können im Falle eines zurückliegenden oder aktuellen sexuellen Missbrauchs sowie bei einem Verdacht kontaktiert werden. Jede Meldung werde außerdem an die Staatsanwaltschaft weitergegeben.

Weitere Hintergründe in der Ausgabe vom 15. Februar 2019

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