Mammutprojekt erfolgreich beendet
Dietmar Jeschke
Auch zum Bau des Alten Pfarrhauses hat das Team interessante Unterlagen entdeckt. Das Ergebnis des Projekts stellte Helmut Winterscheid (l.) von der Projektgruppe gemeinsam mit Pastor Jörg Schlummer vor, der allen Teilnehmern die Regina-Medaille verlieh.
Dietmar Jeschke

Es war ein Mammutprojekt – und dazu eine echte Sisyphusarbeit. Die Mühen haben sich jedoch gelohnt. Denn ans Tageslicht gekommen sind viele Details und Geschichten aus längst vergangenen Tagen, die Historikern als auch Gemeindeverantwortlichen wertvolle Einblicke in die lange Geschichte der einst drei selbstständigen katholischen Gemeinden im Stadtgebiet verschaffen.

Ziemlich genau vier Jahre nach Beginn wurde das Projekt „Gemeinde-Archivierung“ nun erfolgreich abgeschlossen. Und mit dem Ergebnis ist Pastor Jörg Schlummer mehr als zufrieden. „Wir sind der Arbeitsgruppe wirklich sehr dankbar“, betont der Pfarrer.

Wie Helmut Winterscheid berichtet, war es Liane Schmitz, da noch hauptberuflich als Stadtarchivarin in Lüdinghausen tätig, die das Projekt vor einigen Jahren in den Stiel gestoßen hatte. Aus gutem Grund, denn nach der Fusion der einstigen Gemeinden St. Regina, St. Pankratius und St. Lambertus lagerten in etlichen Schränken und Kellern Berge von nicht mehr benötigten Akten. Und da durch die Neuorganisation auch neuer Platz benötigt wurde, beschloss der Kirchenvorstand, die alten Akten zu sortierten und zu verzeichnen, um sie danach in die Obhut des Bistumsarchivs in Münster zu geben.

Das erste Planungstreffen dazu fand bereits am 1. Dezember 2016 statt. Der dabei beschlossene Fahrplan sah vor, dass man sich zunächst mit den Beständen der ehemaligen Gemeinde St. Pankratius in Rinkerode beschäftigt. Einiges an alten Aufzeichnungen war von dort zwar bereits nach Münster transportiert worden, das jedoch ungeordnet und unverzeichnet. Außerdem warteten im Pfarrbüro und auf dem Dachboden des Pfarrhauses noch weitere zwölf Regalmeter mit prall gefüllten Ordnern auf die Arbeitsgruppe, zu der neben Helmut Winterscheid sowie Liane und Kurt Schmitz auch Waltraud Havers gehörte.

Um dieses Material zu sichten, wurde im Walstedder Pfarrheim ein eigener Raum in Beschlag genommen. Und in dem traf sich das Quartett fortan jeweils freitags, um sich gemeinsam ans Werk zu machen. „Es wurde sortiert, und sämtliches Metall sowie Plastikfolien wurden entfernt. Alle aufzubewahrenden Unterlagen wurden sachbezogen in speziellen Mappen oder Bündeln zusammengefasst und anschließend am PC mit Kurzinhalt, Laufzeit und Sachklassifikation erfasst“, schildert Helmut Winterscheid das Vorgehen. Am 26. April 2018 schließlich waren die ersten Arbeiten abgeschlossen – und das „Archiv-Quartett“ meldete einige interessante Funde. Denn in den sortierten Unterlagen fanden sich etwa Dokumente zur Kirchenrenovierung in den 1960-er Jahren sowie alte Festschriften und eine Liste der militärfähigen Männer der Gemeinde am Ende des 18. Jahrhunderts.

Nahtlos weiter ging es schließlich in Drensteinfurt, wo allein im Pfarrhauskeller 20 Regalmeter an Akten auf ihre Sortierung und Verzeichnung warteten. Dabei stießen die Helfer unter anderem auf Unterlagen zum Bau des Alten Pfarrhauses und erfuhren einiges über die Wohnsituation des damaligen Pfarrers und Vikars. „Viele Unterlagen betreffen kirchliche Vereine, alte, längst vergessene Gebetsbruderschaften und enthalten teilweise umfangreiche Mitgliederlisten – eine gegebenenfalls interessante Quelle für Familienforscher“, schildert Helmut Winterscheid. Umfangreich seien zudem die Unterlagen über die ehemalige Rektoratsschule, die einst am Eingang des Kirchplatzes stand. „Aus Zeiten vor 1800 existieren teilweise weit zurückreichende und schön zu lesende Akten zur Catharine-Vikarie, Abgabenlisten zur Unterhaltung des Pfarrers und Unterlagen zu verschiedenen Stiftungsfonds“, so der Heimatforscher weiter.

Als schließlich auch noch die Walstedder Bestände durchforstet und katalogisiert waren, lagen drei Jahre und zehn Monate Arbeit hinter Liane und Kurt Schmitz, Waltraud Havers und Helmut Winterscheid. Etwa 180 Mal hatten sie sich getroffen und dabei ganz nebenbei über ein Kilo Büroklammern gesammelt und mülltonnenweise Plastikhüllen entfernt. Als kleine Belohnung gab es dafür insgesamt rund 180 gut gefüllte Kannen Kaffee. „Selbstgewähltes Hitzefrei wurde durch Sonderschichten bei kühlerer Witterung ausgeglichen“, schmunzelt Helmut Winterscheid.

Pastor Jörg Schlummer zeigte sich von der Ausdauer des Forscherteams beeindruckt. Im Namen der Gemeinde hat er allen vieren die „St.-Regina-Medaille“ verlieren. Und eine Einladung zum Abendessen soll folgen, sobald es die Corona-Lage wieder zulässt.

von Dietmar Jeschke

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