Nahwärme – aber wie ?
Dietmar Jeschke
Die große Baustellentafel steht. Wann die Erschließung des neuen Wohngebietes am Mondscheinweg aber tatsächlich beginnen wird, steht weiter in den Sternen.
Dietmar Jeschke

Die Grundstückspläne sind seit geraumer Zeit fertig. Und nach einigen Verzögerungen hat die Vermarktung der Flächen im ersten Teilabschnitt des Baugebiets „Mondscheinweg“ nun auch tatsächlich im Frühjahr begonnen – mit dem erwarteten Ansturm an Bauwilligen, die buchstäblich in den Startlöchern stehen. Sie werden sich allerdings noch weiter gedulden müssen. Denn bevor die Bagger zur Erschließung des insgesamt rund 13 Hektar großen Areals anrücken, gilt es noch, eine alles entscheidende Frage zu klären: Wie sollen die künftigen Eigenheime mit Strom und Heizwärme versorgt werden?

Wie berichtet, hatte die Politik nach Fertigstellung des Planentwurfes auf maßgeblichen Druck der Grünen noch einmal eine „Rolle rückwärts“ vollzogen, in dem sie den Klimaschutzaspekt nun quasi nachträglich in den Vordergrund rücken möchte. Die Stadt hatte dazu Ende vergangenen Jahres das Essener Büro Gertec mit der Erstellung eines Klimaschutzkonzeptes beauftragt. Das Ergebnis: In den Grundstückskaufverträgen sollen verbindliche Standards wie etwa der Niedrigenergiehausstandard KfW 55 und die Pflicht zur Installation einer Photovoltaikanlage verankert werden. Dazu sieht das Konzept den verpflichtenden Anschluss an ein noch einzurichtendes Nahwärmenetz vor. Und genau da liegt nun der berühmte „Hase im Pfeffer“.

Wie die Verwaltung in der Vorlage zur nächsten Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses am kommenden Montag mitteilt, hat das Büro Gertec verschiedene Varianten eines Nahwärmenetzes durchgespielt. Und wie Bauamtsleiter Christoph Britten erklärt, könne die notwendige Energie in einer Heizzentrale des Baugebiets auf verschiedene Weise gewonnen werden. „Ideal im Hinblick auf den Klimaschutz wäre die Nutzung von Erdwärme in Form von Tiefenbohrungen oder Flächenkollektoren in Verbindung mit Strom“, so Britten. Aber: „Beide Varianten scheinen daran zu scheitern, dass die erforderliche Fläche fehlt.“

Als „annähernd klimaneutrale“ Alternative käme die Nutzung von Holzhackschnitzeln oder Holzpellets in Frage. Ihre Nachteile: Der hohe Platzbedarf für entsprechende Vorratsspeicher sowie der bei der Verbrennung produziert Feinstaub. Grundsätzlich, so der Bauamtsleiter, scheiden fossile Energieträge wegen der hohen Emission klimarelevanter Gase zwar aus. Erdgas allerdings könnte dann vertretbar sein, wenn es im Mix mit anderen Stoffen in einem Blockheizkraftwerk nicht nur Wärme, sondern auch Strom liefere. Aktuell, erklärt Christoph Britten, werde nach einem geeigneten Standort für eine Heizzentrale gesucht, wobei der Blick auch in Richtung Gewerbegebiet Viehfeld und auf das Areal der angrenzenden Feuerwehr gerichtet ist, die perspektivisch gleich mitversorgt werden könnte. Eine zunächst angedachte Einbeziehung der Kardinal-von-Galen-Grundschule scheide allerdings aus, da deren Keller nicht ausreichen würde, um eine mögliche Heizzentrale aufzunehmen.

Wie und wo letztendlich welches System installiert wird, das liegt nun im Ermessen der Stadtwerke Ostmünsterland. Die nämlich sollen das gesamte Netz nicht nur vorfinanzieren und errichten, sondern auch betreiben. Wie die Verwaltung mitteilt, waren die Stadtwerke aber aufgrund der Sommerpause und der Kürze der Zeit bislang nicht in der Lage, eine Entscheidung zu präsentieren. Und solange die nicht vorliegt, kann weder weitergeplant, geschweige denn gebaut werden.

von Dietmar Jeschke

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