Prinz Gerd I. regiert in Sendenhorst
Bilder: Westhues
Prinz Gerd I. hat am Sonntag das Sendenhorster Rathaus und die Macht übernommen. 
Bilder: Westhues

Was haben sich die Sendenhorster Prinzen im Laufe der Jahre nicht schon einfallen lassen, um am Sonntag vor Rosenmontag den städtischen Schlüssel zu erringen: Über die Feuerwehrleiter, mit Sprengstoff oder durch Freipressung der entführten Bürgermeistergattin. Aber auf die Idee eines Amtshilfegesuchs an die Polizei, das zudem auch noch vom zuständigen Amtsgericht abgesegnet worden ist, ist bislang noch niemand gekommen. Außer Prinz Gerd.

Wenn der Amtsschimmel wiehert: Selbst der hinzugezogene Dorfsheriff Rudi Terberl konnte sich nur von der Echtheit des Dokuments überzeugen, das justament am Sonntag von der Post per Einschreiben zugestellt worden war. Das Schreiben war für Terberl der dienstliche Auftrag, den Jeckenfürsten in die Schaltzentrale der Macht zu eskortieren.

Und was hatte sich Bürgermeister Berthold Streffing gewehrt: Tief ins Gesicht gezogen hatte er seinen Hut; das zeigte seine Willenstärke und Entschlossenheit, die Bastion Rathaus bis zum Schluss zu verteidigen. Gleich zwei Verteidigungsringe auf den Etagen des Rathauses hatte er angelegt, um sich die Jecken vom Hals zu halten. Draußen gröhlte die närrische Menge und wollte Köpfe rollen sehen. Prinz Gerd und seine Getreuen versuchten es zunächst mit Einschüchterung: „In einer halben Stunde hast du sowieso nichts mehr zu sagen!“, schickte KG-Präsident Dirk Vollenkemper den Verwaltungschef verbal in den Ruhestand.

Moderator Daniel Socheaux verwies auf die ruhmreichen Taten, die Prinz Gerd bereits auszeichneten: So habe die Tollität am Samstagabend den ersten Spatenstich für eine U-Bahn-Verbindung zwischen Sendenhorst und Albersloh unternommen, während Bürgermeister Streffing die Umgehungsstraße immer noch nicht fertig habe.

Berthold Streffing, ganz in Schwarz, glich schon ein wenig dem Ritter von der traurigen Gestalt, der auf verlorenem Posten kämpfte. Zu allem Überfluss war da noch Kinderprinzessin Sina, die ausgerechnet am Sonntag Geburtstag hatte und sich nichts sehnlicher wünschte als den Schlüssel der Stadt.

Mit einer selbst gebastelten Konfettikanone schoss der Bürgermeister ein letztes Mal zurück, doch das sorgte nur für Lachsalven: „Mich als alten Panzermann kannst du mit sowas doch nicht erschrecken“, lachte Prinz Gerd, Berufssoldat im Ruhestand. Schweren Herzens gab sich Streffing schließlich geschlagen. Doch hatte er schon einen Plan, wie er die kommenden Tage überbrücken kann: „Ich bin dann mal weg und mache in paar Tage Urlaub“.

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