„Streit ist vorprogrammiert“
Dietmar Jeschke
Die Grundstücke am Mörickeweg im Bebauungsplangebiet „Krummer Kamp“ verfügen über eine doppelte Erschließung und bieten sich so für eine Nachverdichtung geradezu an. Die Mehrheit der Anlieger will das allerdings bislang nicht.
Dietmar Jeschke

Eigentlich keine „große Nummer“, mag sich manch ein Eigentümer eines älteren Hauses bereits gedacht haben. Der damals noch große Selbstversorgergarten wird für den eigenen Kartoffelanbau schon seit Jahrzehnten nicht mehr genutzt. Und seine Pflege wird zunehmend zur Last. Warum die mehr als ausreichende Fläche also nicht einfach für nachfolgende Generationen bebauen – oder so angesichts der anhaltenden Knappheit an Bauland einfach verkaufen? Doch ganz so einfach ist die Sache nicht, wie am Montagabend abermals im Stadtentwicklungsausschuss deutlich wurde.

Auf dem Tisch lag dort der Antrag eines Anliegers aus dem Bebauungsplangebiet „Krummer Kamp“, der auf seinem großzügigen Grundstück eine entsprechende Nachverdichtung in Form eines weiteren Hauses vornehmen möchte. Und das unter durchaus guten Voraussetzungen. Denn wie die Untersuchung der Verwaltung ergeben hat, liegt für das 1,2 Hektar große und rund 15 Grundstücke umfassende Quartier eine doppelte Erschließungssituation vor. „Die Grundstücke haben alle eine Größe von 600 bis teilweise über 900 Quadratmetern und bieten eine hervorragende Ausgangslage für eine Nachverdichtung. Aus städtebaulicher Sicht ist das Quartier somit für eine Gesamtüberplanung sehr gut geeignet und stellt im Sinne des flächensparenden Bauens eine sinnvolle Lösung dar“, hieß es entsprechend in der Vorlage der Verwaltung. Und eine ebensolche Gesamtüberplanung sei, betonte Bauamtsleiter Christoph Britten, nun mal erforderlich, um nicht nur einem, sondern allen Anliegern die gleichen Möglichkeiten einzuräumen.

Das Problem: Entgegen der Erwartung der Verwaltung zeigte das Gros der Anwohner bei einer eigens anberaumten Versammlung keinerlei Interesse an einer entsprechenden Nachverdichtung. „Bis auf drei Anwesende waren die meisten Anlieger dem Vorhaben gegenüber eher kritisch eingestellt. Sie befürchten eine charakteristische Veränderung des Plangebietes und eine massive Verdichtung ohne den Erhalt von Grünstrukturen“, so der Bauamtsleiter. Trotz der überaus verhaltenen Resonanz halte die Verwaltung eine entsprechende Überplanung des Quartiers jedoch für städtebaulich sinnvoll, denn schließlich werde die Nachfrage nach innerstädtischem Wohnraum auch in Drensteinfurt immer größer. Außerdem, betonte Christoph Britten, sei keiner der Anlieger danach verpflichtet zu bauen. Es sei vielmehr eine unverbindliche Möglichkeit. „Darüber hinaus erfahren die Grundstücke aufgrund des Erlangens neuer Baurechte eine enorme Wertsteigerung, die auch den jeweiligen Eigentümern zu Gute kommt. Eine Gesamtüberplanung wäre somit zudem zukunftsorientiert. Auch im Falle eines Generations- oder Eigentümerwechsels wären die Grundstücke somit noch attraktiver und würden viel Potenzial bieten“, so die Meinung der Verwaltung, die damit im Fachausschuss auf ein überaus geteiltes Echo stieß.

„Die deutliche Mehrheit der Anwohner will das nicht“, betonte Ingo Meyer (CDU), der eine entsprechende Baurechtsänderung als „Unrecht“ bezeichnete. „Jeder, der dabei mit ‚Ja‘ stimmt, sollte sich persönlich nach dem Für und Wider fragen“, appellierte er.

„Wir reden über den Umgang mit der knappen Ressource Raum“, entgegnete Ratsherr Martin Niesmann (SPD), der zudem darauf verwies, dass ein Aufstellungsbeschluss noch keine endgültige Entscheidung darstelle. „Wir sollten hier nicht über den Bürgerwillen hinweg entscheiden“, erklärte hingegen Andreas Kurzhals (FDP). Sein Vorschlag: Das Planverfahren sollte erst dann in Gang gebracht werden, wenn sich wenigsten die Mehrheit der Anlieger dafür entschieden habe.

Dass die Situation in Sachen Nachverdichtung immer schwierig ist, bestätigte Reinhard Weißen (Grüne). „Es geht darum, Ängste zu nehmen“, sagte er. „Und genau das erreicht man durch ein Planverfahren.“ Zudem, so Weißen weiter, sei die Situation im konkreten Fall einfach ideal, denn schließlich könne jeder für sich selbst entscheiden, ob er eine Nachverdichtung wünscht oder nicht.

Ingo Meyer von der CDU überzeugten diese Argumente nicht. Streit sei im Falle eines positiven Votums vorprogrammiert. „Wir zerreißen hier unter Umständen gewachsene Nachbarschaftsstrukturen“, warnte er. Wie Meyers Fraktionskollege Werner Schmidt einräumte, gebe es innerhalb der Union dazu kein geschlossenes Meinungsbild. Bei zwei Gegenstimmen und einer Enthaltung sprach sich die Ausschussmehrheit am Ende jedoch klar dafür aus, das Verfahren zur Änderung des Bebauungsplanes im Sinne der Möglichkeit zur Nachverdichtung in den Stiel zu stoßen.

von Dietmar Jeschke

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