20 Steine des (Denk-)Anstoßes
Bild: Grünebaum
An der Überwasserstraße 5 in Wadersloh erinnern sieben Stolpersteine an Familie Gutmann. Der Kölner Künstler Gunter Demnig verlegte sie persönlich. Zahlreiche Bürger gingen mit ihm auf Einladung des Heimatvereins zu fünf Stationen.
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Der Vorsitzende des Heimatvereins verliest an jeder der fünf Stationen Auszüge aus Hans Josef Kellners Buch „Die vergessenen Nachbarn – Wer kennt sie noch?“ und führt das Schicksal ehemaliger jüdischer Mitbürger vor Augen. Genau das ist das Ziel der Aktion, mit der der Kölner Künstler Gunter Demnig bereits durch zwölf Länder Europas und 815 Kommunen in ganz Deutschland gereist ist. Denn vor Augen haben die Bürger nach der Verlegung vor den Wohnhäusern die 10 mal 10 mal 10 Zentimeter großen Stolpersteine, die zum betretenen Innehalten auffordern.

Seit 1993 verfolgt der Künstler das Projekt. In zahlreichen Gesprächen mit Überlebenden und Nachgeborenen und in enger Zusammenarbeit mit Historikern rekonstruierte er die ehemaligen Wohnorte der Deportierten. Vor den Adressen fügt er die Betonsteine mit verankerter Messingplatte in den Bordstein ein. Die Schrift ist mit Schlagbuchstaben eingehämmert. Damit die außergewöhnlichen Kunstwerke an der Überwasserstraße in Wadersloh passen, müssen einzelne Pflastersteine kleiner geschnitten werden. Herbert Fortmann unterbricht seinen Vortrag, als das Heulen der Motorsäge die Straße erfüllt. Nach den letzten Hammerschlägen kehrt wieder Ruhe ein. „Es ist immer wieder berührend“, sagt Gunter Demnig nach getaner Arbeit an der ersten Station.

In Wadersloh stolpern die Bürger künftig über 20 Steine an fünf Stationen. Nachdem sie etwa drei Wochen in der Volksbank, der Sparkasse, der Gemeindeverwaltung und den weiterführenden Schulen ausgestellt waren, sind sie jetzt ihrer Bestimmung übergeben worden. Am ehemaligen Bethaus der jüdischen Mitbürger an der Überwasserstraße 5, an der Wenkerstraße 7, an der Wilhelmstraße 10, Mauritz 9 und am Freudenberg 26 ziehen sie die Blicke auf sich.

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