Angeklagte Mutter korrigiert ihre Aussagen
Für den Tod ihres Babys im September 2017 muss sich eine 19-Jährige aus Wadersloh vor dem Landgericht Münster verantworten. Beim zweiten Verhandlungstag am Freitag korrigierte sie ihre Aussagen vom Prozessauftakt am Mittwoch und warf damit neue Fragen auf. Der Säugling starb durch den Einfluss unterschiedlicher Medikamente.

Das Schlafmittel, an dem ihr drei Monate alter Sohn am 2. September 2017 verstorben war, habe sie dem Kind einmal in der Nacht gegen 5 Uhr und dann erneut nachmittags um 15 Uhr mit der Babynahrung gegeben. Beim zweiten Mal habe sie dann auch ein oder zwei Tabletten eines Antidepressivums dazu getan. „Ich wollte nur, dass mein Kind ruhig wird. Ich war so überfordert und wollte ihm doch nichts antun.“ Später habe sie das leblose Kind gefunden und sei in Panik geraten. In der Wohnung, die sie mit ihrer Mutter und deren Freund bewohnte, hinterließ sie einen Zettel mit der Nachricht vom Tod des Babys. Dann fuhr sie zu ihrem neuen Freund nach Borken.

Am nächsten Tag fand die Großmutter das tote Kind und rief Bekannte an, die die Polizei verständigten. Am 4. September nahm die Polizei die junge Frau in Borken fest. Sie kam aber wieder frei, weil der Säugling keine Gewalteinwirkungen aufwies. Erst fünf Monate später stellten Mediziner den Medikamentencocktail im Körper des Kindes fest. Die Staatsanwaltschaft erhob Anklage und die Wadersloherin kam in Haft. Ihre korrigierten Einlassungen wirkten gestern zuerst wie ein nun vollständiges Geständnis.

Doch Richter und Staatsanwalt entdeckten neue Ungereimtheiten. So hatte die junge Frau das Schlafmittel offenbar erst einen Tag vor dem Tod des Säuglings in der Apotheke gekauft. Beim Hustenmittel hielt die Angeklagte an ihrer Erklärung fest, dass das Kind es nur mit der Muttermilch bekommen haben könne. Die Großmutter sagte gestern jedoch aus, dass das Baby zu diesem Zeitpunkt nur noch gekaufte Nahrung bekommen habe. Allerdings betonte sie auch, dass ihre Tochter sich immer sehr um den Jungen gekümmert habe: „Sie hat ihn abgöttisch geliebt.“

Außerdem räumte die Angeklagte gestern ein, dass sie am 2. September wieder schwanger war. Von wem, wollte sie nicht sagen. Jedenfalls nicht von ihrem neuen Freund. Der erklärte, dass er sowohl den drei Monate alten Jungen als auch das neue Kind akzeptiert hätte. Die junge Frau ließ das Ungeborene aber im Oktober abtreiben. Ihre Mutter wusste von der neuen Schwangerschaft nichts.

Wiederholt machten die Richter der Ersten Großen Strafkammer deutlich, dass sie erhebliche Zweifel an den bisherigen Aussagen vor allem der Angeklagten haben. Einer von ihnen stellte die Frage, ob der drei Monate alte Junge einer neuen Beziehung möglicherweise im Wege gestanden habe. Der Prozess wird am 30. August mit weiteren Zeugen fortgesetzt.

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