Flinke Finger am Flügel begeistern
Zu heller Begeisterung riss der junge chinesische Pianist Haiou Zhang die Zuhörer des Silvesterkonzerts im Museum Abtei Liesborn hin.

Einleitend offenbarte schon Johann Sebastian Bachs Fantasie und Fuge d-Moll BWV 903 in den klaren barocken Strukturen ihres Aufbaus einen Künstler, der seine brillante Technik ganz in den Dienst des kraftvollen Spiels stellt und seinen Teil mit ausgeprägtem Sinn für Dramatik und Effekte gestaltet. Kam Mozarts Fantasie d-Moll KV 392 mit der liedhaften Thematik noch recht verhalten daher, so imponierte der Solist in Ludwig van Beethovens „Mondscheinsonate“ cis-Moll Op. 27/2 durch seine verblüffende technische Perfektion.

Da perlten die Läufe nur so aus seinen rasenden Fingern, die über die Tastatur flogen, kennt und spielt der junge Künstler jede Note und ihre Phrasierung im Zusammenhang von Inhalt und Form. Alles ist geprägt von äußerster pianistischer Präzision, die die Akkordbrechungen des ersten und letzten Satzes in ihren romantischen Gefühlsinhalten interpretiert. Scheinbar unvereinbare Gegensätze formt er mit seinen flink fliegenden Händen zum einheitlichen Ganzen, ehe er Alexander Skrjabins spätromantische Klanggebilde im Prelude und Nocturne ausschließlich mit der linken Hand in feiner dynamischer Abstufung gestaltet. Meisterhaft!

Franz Liszts virtuose Klavierspielereien mit rasanten Läufen und zischenden Glissandi führten schließlich zum Höhepunkt und Ausklang des Konzerts, „La Valse“ von Maurice Ravel. Da hielt der Zuhörer förmlich den Atem an, wenn der chinesische Pianist aus souveräner Überschau alle nur denkbaren Orchesterfarben aus seinem Instrument herausholt. Er entfächerte das aufregende Virtuosenstück mit großer Geste bald in leidenschaftlicher, bald melancholischer Gebärde im fortwährenden Dreivierteltakt. So filigran, so lebhaft pulsierend, stürmisch und drängend kann Ravel sein, wenn ein Künstler dieses Formats sich des Themas annimmt.

Als Leiter der Museumskonzerte hatte Florian Meyer-Langenfeld mit diesem Engagement einen glücklichen Griff getan. Der Pianist bedankte sich für die Beifallsorgien auf originelle Weise. Mit dem Blick auf die nahe Stunde des Jahreswechsels swingte er flott und mit leichter Hand „Tea for Two“.

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