Für die Insekten zählt jede Blüte
Die Biene ist aus Stahl, aber der blühende Apfelbaum ist Natur pur. Und davon brauchen wir mehr, wenn wir den Bienen im Besonderen und den Insekten im Allgemeinen etwas Gutes tun wollen, fordert Heinrich Schnitker, der Betreiber einer Wanderimkerei.

Das Insektensterben sei gegenwärtig zu Recht in aller Munde, betonte Schnitker. Die Gründe dafür seien nicht abschließend erforscht. „Die Experten streiten sich, aber es ist wohl offensichtlich: Wir alle tragen dazu bei“, sagte der Imker. Die Landwirtschaft etwa durch die Tendenz zu Monokulturen auf den Äckern.

Mit Blick auf die mehr als 500 Wildbienen-Arten in Deutschland lautete Schnitkers Prognose: „Wenn wir ihnen nicht helfen, sind viele in zehn Jahren nicht mehr da.“ Und weiter: „Die Arten gehen ein, wenn sie keinen Blütenstaub bekommen. Die Insekten gehen ein, wenn sie die Pollen nicht mehr finden.“

Was hilft den Tieren? „Wir brauchen mehr blühende Sträucher und Bäume“, forderte Schnitker. Blüten sind die Voraussetzung dafür, dass sich Bienen ernähren können. Es gehe um heimische Bäume wie Ahorn, Mandel-Weide und Wildkirsche, um Linden, Pflaumen- und Apfelbäume, sagte der Vorsitzende des Imkervereins Wadersloh. Ein Ginkgo (der ursprünglich in China heimisch ist) bringe den hiesigen Bienen gar nichts. Ein kräftiger, 30 Jahre alter Efeu sei dagegen wie ein Paradies für die Tiere, besonders im Herbst. Aber welcher Efeu werde heutzutage noch so viele Jahre stehengelassen?, fragte Schnitker in die Runde.

„Wir brauchen mehr Vielfalt in der Landschaft, so wie früher in Zeiten der kleinbäuerlichen Landwirtschaft“, lautete eine weitere Forderung des Fachmanns. Da habe es auf geringer Fläche alles gegeben, was die Insekten zum Leben brauchten. Schnitker plädierte dafür, Straßenränder wieder stärker für den Anbau von Obstbäumen zu nutzen. „Und die dürfen dann nicht verstümmelt werden.“

Auch die Gartenbesitzer hatte der Experte im Blick: „Jeder kann etwas beitragen. Sonst sehe ich schwarz für die Zukunft. Es geht einfach um Pflanzen, die blühen und Früchte tragen. Jeder Blüte zählt.“ Mit Blick auf stechende Insekten wie Wespen und Hornissen mahnte der Imker zudem zu Gelassenheit: „Sie sind alle nützlich. Man muss nicht überall hinterschlagen.“

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