Herr der Kronkorken spendet für Kranke
Bild: Edelkötter
Ingo Petermeier sammelt Kronkorken.
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Freitag war für Petermeier Zahltag. Seit dem frühen Morgen hat er zusammen mit neun Helfern die in diesem Jahr gesammelten Kronkorken in Container gefüllt. Es ist schon die zweite Verladeaktion in diesem Jahr – aus zwei Gründen. Die angehäufte Menge der runden Blechscheiben ist erneut enorm. Und der Preis für eine Tonne des Wertstoffs war zwischenzeitig kräftig gesunken, aktuell liegt er wieder bei 90 Euro. „Da lohnt es sich“, sagt Petermeier.

Trotz des beständigen Nieselregens ist die Stimmung auf dem Verladehof in Nuphusen prächtig. Gekonnt manövriert Sascha Kolle voll bepackte weiße Bigbags mit Hilfe eines Krans über den dunkelbraunen Container der Firma Karec aus Wadersloh. Dort nimmt Petermeier den Sack in Empfang, öffnet seinen Verschluss, und unter einem gleichmäßigen Zischen und Rauschen strömen die Kronkorken heraus. Der Kran schwenkt zurück und nimmt den nächsten Schüttsackbehälter auf.

Plötzlich wird es laut, Petermeier schaut erstaunt. Ein weißer Kastenwagen kommt vorgefahren. Am Steuer sitzt Ricky Heb. Er leitet für den Liesborner die Sammelstelle Südhessen und hat sich spontan von Darmstadt aus auf den Weg gemacht, um beim großen Verladen dabei zu sein. „Das gibt´s doch nicht“, freut sich Petermeier, nimmt seinen Kumpel in den Arm und sagt: „Das ist das, was ich für mein Engagement zurückbekomme und was sich nicht aufwiegen lässt.“ Der Hesse hat zig Kartons in seinem Transporter stehen. „Das ist nur noch der letzte Rest. Die anderen Kronkorken wurden bereits im Sommer mit einem Lastwagen abgeholt“, sagt er.

Es ist mittlerweile fast 10.30 Uhr, nun kommt ein Pkw auf das Gelände gefahren. Hermann Stuckstedte bringt seinen Enkel Malte vorbei. Der durfte heute ausnahmsweise früher den Unterricht verlassen, damit er seine Kronkorken abliefern kann. Der Junge hat Umzugskartons voller Verschlüsse mitgebracht – rund 350 Kilogramm wiegen sie. „Wahnsinn“, staunt Petermeier. Der Schüler aus Rheda-Wiedenbrück sammelt die Kronkorken an seiner Schule, erhält sie aber inzwischen auch von Nachbarn und Vereinen, wie zum Beispiel den Schützen aus Rheda. Maltes Engagement hat sich in seiner Heimatstadt herumgesprochen.

Der nächste Container ist voll und wird von der Firma Karec abtransportiert. Schnell ordert Petermeier ein kleineres Exemplar nach. Es könnte sonst mit dem Platz knapp werden. Holger Beutler und Thomas Pohl nutzen die Gelegenheit, um noch einige besonders schöne Kronkorkenexemplare zu ergattern. Pohl lebt in Ostbevern. Seine Sammlung umfasst etwa 25000 Stück. Jede Blechscheibe ist anders. Der Seefahrer aus dem Norden hat schon 10000 von ihnen gesammelt. Alles fing bei ihm mit einer kahlen Wand in seinem Wintergarten an. Da er früher schon einmal ein Bild aus Münzen kreiert hatte, wollte er diesmal mit Kronkorken andere Farbakzente setzen. Entstanden ist aus der Idee ein großformatiges Kunstwerk, geblieben die Sammelwut.

Ingo Petermeiers Welt ist das nicht. Er will mit seiner Leidenschaft helfen. Seit dem 3. Mai 2012 hat er 198000 Kilo Kronkorken gesammelt und dafür 19200 Euro bekommen. Das Geld floss komplett in die Patientenhilfe Darmkrebs. Gestern ist der Inhalt aus sieben großen und einem kleinen Container hinzugekommen, oder konkret 67,72 Tonnen, die 6094,80 Euro ergaben. Das Unternehmen Karec rundete den Betrag auf 6300 Euro auf. 2019 wurden somit insgesamt 81,59 Tonnen Kronkorken gesammelt – das ist ein Weltrekord.

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