In Holland das Designen gelernt
Ein Stück Luffa präsentiert Charlotte Schröer aus Wadersloh. Für ihre Abschlussarbeit im Design-Studiengang an der Akademie für Künste und Formgebung hat sie unter anderem mit diesem Material gearbeitet und daraus einen Lampenschirm und akustische Fliesen gefertigt. Beide Produkte sind ausgewählt worden, um im Oktober auf der „Dutch Design Week“ in Eindhoven präsentiert zu werden.

Für ihre Abschlussarbeit hat die junge Wadersloherin eine Auszeichnung bekommen. Vier Jahre lang hat die 25-Jährige auf ihren Bachelor-Abschluss im Fach Raumdesign (Schwerpunkt Produktdesign) an der „Academie voor Kunst en Vormgeving St. Joost“ (Akademie für Künste und Formgebung) hingearbeitet. Jetzt kann sie sich über einen besonders gelungenen Abschluss freuen, denn ihre Produkte sind sowohl an der Akademie als auch in der Fachwelt auf Interesse gestoßen. Beim ersten Projekt war das Thema vorgegeben. Es lautete „Lebende Farben“.

Hierbei sollte mit recycelten Produkten gearbeitet werden. Charlotte Schröer kooperierte mit der Firma Rubia Natural Colors und mengte deren Farbstoffen Aluminium und Eisen zu, um weitere Töne aus den Grundfarben Gelb, Rot und Schwarz zu erhalten. In einem rostroten Ton färbte sie Luffa, das auch als Schwamm verwendet werden kann, aber eigentlich eine getrocknete Gurkenfrucht ist, und fertigte daraus einen modernen Lampenschirm.

Und weil Luffa Schall dämmt und schwer entflammbar ist, kam Charlotte Schröer außerdem die Idee, mit dem gefärbten Material akustische Fliesen beispielsweise für Großraumbüros anzufertigen. Lampenschirm wie Fliesen wurden ausgewählt, um auf der „Dutch Design Week“ in Eindhoven ausgestellt zu werden.

Mit Charlotte Schröer werden noch vier weitere Absolventen der Akademie auf der Design-Week in Eindhoven ausstellen. Sie brennen schon darauf zu sehen, wie ihre Produkte dort ankommen. Experimentiert, entworfen und gefertigt wurde unter anderem mit Lehm und Fischhaut für ein schuppiges Leder. Das zweite Abschlussprojekt konnte Charlotte Schröer frei wählen. Dafür hatte sie die Idee, die „Natur nach innen zu holen“, und entwickelte die grüne „Ruheoase“, die nach ihrer Vorstellung in Krankenhäusern oder Flughäfen aufgestellt werden könnte.

Darin sitzt der Wartende umgeben von beweglichen Glasfaserstangen, die mit grünem Stoff bezogen wurden und an Pflanzen erinnern, geschützt, aber nicht abgeschottet von seiner Umgebung. Eingelassene Bodenstrahler zaubern Lichtreflexe an die Decke, die vom Sitzkissen aus bequem angeschaut werden können. „Man liegt ein bisschen wie im Gras und schaut nach oben“, erklärt Charlotte Schröer ihre Idee. „Man fühlt sich beschützt und trotzdem frei.“ Weil in Breda alle Werkstätten belegt waren, fertigte sie ihr Werk mit dem Titel „Evergreen“ (Immergrün) zu Hause in Wadersloh an.

„Der Trend geht hin zu innovativen und erneuerbaren Materialien“, weiß Charlotte Schröer zu berichten. Sie lege persönlich schon Wert auf ein gutes Design, das müsse allerdings nicht immer das teuerste sein, betont sie. Die Wadersloherin ist froh, nach ihrem Abitur am Evangelischen Gymnasium in Lippstadt den Schritt ins Nachbarland gewagt zu haben.

Eine kleine Hürde hatte sie dabei aber zu meistern, denn die Kurse fanden nicht – wie so oft in Holland üblich – auf Englisch, sondern auf Niederländisch statt. Nach einem zweiwöchigen Sprachkursus war sie dann auf sich allein gestellt. Jetzt hofft sie, dass es gut für sie weitergeht: Am liebsten mit einer Anstellung im Bereich Raumdesign.

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