Klezmer-Musik reißt Zuhörer mit
Bild: Gehre
Mit ihren unterhaltsamen Varianten der jüdischen Klezmer-Musik begeisterte das Duo Maceij Golebiowski (l.) und Aleksander Shevchenko am Donnerstagabend in der Konzertreihe „Summerwinds Münsterland“ auf Schloss Crassenstein in Diestedde.
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 Der voll besetzte Festsaal des vorbildlich restaurierten Schlosses Crassenstein bebte förmlich von den temperamentvollen Beifallsbekundungen begeisterter Zuhörer. Das sympathische polnisch-russische Duo nahm sie mit auf eine Reise in an sich fremde musikalische Zonen, wo Klezmer einst als festliche Gebrauchsmusik von der reisenden Familie Ashkenazy in den jüdischen Zirkeln Polens, Russlands und der Ukraine gepflegt und weitergegeben worden ist.

 In der stetigen Bindung an die Tradition der Gattung praktizierte das Duo mit originellen Einfällen, Übertragungen und oft halsbrecherischen Improvisationen seine ganz individuelle Klezmer-Auslegung. Während Shevchenkos Finger der rechten Hand geschwind über das Griffbrett seines Knopfakkordeons glitten und das russische Folkore-Instrument bisweilen zur sinfonischen Form auflief, figurierte der Partner mit aller scheinbaren Leichtigkeit, ausgeprägten Musikalität und artistischen Eskapaden über dem Akkordeon.

Golebiowski war indessen völlig eins mit seiner Klarinette, die mit kultiviertem Ton und Timbre und selbst mit den hart geblasenen Naturtönen zum Klangereignis wurde. Sein Instrument kann lachen und weinen, jammern und klagen, kann keckern wie ein Huhn und kreischen wie eine Lok. Und wo das Hauptinstrument mal nicht ausreichte, nimmt der talentierte Solist die überdimensionale Bassklarinette mit ihren tiefen Registern oder die elegische Kinderklarinette (Saxonette) zu Hilfe.

Vor dem Duo ist offenbar keine Klezmer-Melodie sicher. Und so biegen sich die beiden als kompetente Bearbeiter auch Gustav Mahlers „Lieder eines fahrenden Gesellen“ ebenso für ihre Zwecke zurecht, wie sie Walzer, Marsch und Tango zitieren, selbst Chopin nicht ungeschoren lassen und mit dem unverwüstlichen Schnaderhüpferl „Bruder Jakob“ ihren Spaß treiben.

Nach Begrüßungsworten der Festival-Intendantin Dr. Susanne Schulte hatten die Zuhörer einleitend einen Beifallsgruß an das Ehepaar Margarete und Dr. Paul Drews gesandt, um für die Überlassung des Schlosses für dieses denkwürdige Konzert zu danken. In den Annalen des Hauses aber dürfte das Ereignis wohl für immer seinen Platz haben.

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