Middewinterhorn erinnert an alten Brauch
Dietmar Schütz, Geschäftsführer und Trompeter des Musikvereins Bad Waldliesborn, mit seinem auf einem Bauernmarkt im Münsterland erstandenen „Middewinterhorn“, einem alten Holzblasinstrument, das er an den vier Adventssonntagen im Kurort Waldliesborn jeweils abends um 18 Uhr spielen wird.

Gleichzeitig brachte er sich im Selbststudium das Blasen dieses fast vollkommen in Vergessenheit geratenen Hornes bei. Middewinter ist im Münsterland die mundartliche Bezeichnung für Weihnachten, so wie Silvester auch mundartlich „Olle Jaors Aobend“ genannt wird. So bedeutet der Name Middewinterhorn also eigentlich Weihnachtshorn.

 Das Middewinterhornblasen blickt schon auf eine jahrhundertelange Tradition zurück. In der Zeit vom 1. Advent bis zum 6. Januar (Dreikönigsfest) wurden im Münsterland traditionell die Middewinterhörner geblasen. Das Middewinterhornblasen ist ein Brauch, der in der Region fast vollkommen in Vergessenheit geraten ist. Im deutsch-niederländischen Grenzgebiet, dort besonders in der Grafschaft Bentheim, wird von mehreren Bläsergruppen diese Tradition auch heute noch aufrecht erhalten. Die Middewinterhörner dienten in vor- und frühchristlicher Zeit als „Nothörner“. Im Notfall konnten die Vorfahren mit dem Blasen des Nothorns Hilfe herbeirufen oder ihre weit entfernt wohnenden Nachbarn auf Gefahren, zum Beispiel auf Hochwasser, Feuer oder Räuberhorden aufmerksam machen. Sie ließen ihre Hörner auch zur Wintersonnenwende ertönen, um böse Geister zu vertreiben und um gute Ernten sowie um Schutz vor Not und Elend zu bitten.

Schon längst erschallen sie nicht mehr als Alarm- oder Notsignal, sondern als Botschaft der Freude auf das bevorstehende Weihnachtsfest. Mit dem „Middewinterhorn“ artverwandt sind die Alphörner und die Luren. Das Horn ist nur einzeln zu blasen. Bei klarem, frostigem Wetter ist ein Middewinterhorn über zehn Kilometer weit zu hören. Um die Tradition des Middewinterhornblasens wieder aufleben zu lassen, wird Dietmar Schütz an den kommenden vier Adventssonntagen jeweils um 18 Uhr für Kurgäste und Einheimische das Instrument an mehreren markanten Stellen im Kurort Waldliesborn erklingen lassen. Die Termine sind am ersten Adventssonntag (2. Dezember) an der Liesborner Straße in Höhe des „Park One“, am zweiten Adventssonntag (9. Dezember) südlich der „Eichholzklinik“ an der Rottwiese, am dritten Adventssonntag (16. Dezember) hinter dem „Braukhof“ an der Braukstraße und am vierten Adventssonntag (23. Dezember) im Kurpark zwischen Milchbar und Musikmuschel.

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